2023 Grüner Veltliner Ried Lammberg Kamptal DAC – Allram
Lorenz Allram hat ein neues Zukunfts-Terroir rekultiviert. Sein Weingut ist aktuell das einzige, das in der Ried Lammberg Weingärten bewirtschaftet. Noch.
Der Lammberg erstreckt sich wie eine Zunge nördlich von Strass Richtung Waldviertel. „Über das Jahr gesehen, ist es hier ein Grad kühler als in unseren restlichen Weingärten“, sagt Lorenz Allram. 2016 hat er im verbuschten Gelände eine ehemalige Weingartenfläche entdeckt. Besitzer waren die Kirche und sein ehemaliger Volksschuldirektor. Der wollte das Grundstück schon länger rekultivieren, hat es aber nie in die Tat umgesetzt. „Er war von meiner Idee, dort wieder Reben auszusetzen, begeistert und hat mir seinen Anteil verkauft. Die Kirche hat sich dann auch angeschlossen“, so der Winzer. Mittlerweile besitzt er dort drei Hektar in einem Stück. Fast zwei Jahre hat es gedauert, bis die Terrassen wieder komplett aufgebaut waren und Stöcklinge gepflanzt werden konnten.
2020 gab es bereits die erste, ganz kleine Jungfernernte. Im Jahr darauf war es schon ein wenig mehr. Die Trauben flossen aber in den Ortswein Strass. Mit 2022 kam der erste Grüne Veltliner Ried Lammberg in die Flasche. Die Lage zeichnet sich neben ihrem kühlen Klima durch einen Löss-Lehmboden aus, der wie am Gaisberg Glimmerschiefer im Unterboden hat. Vor allem im oberen Teil. „Ich vergleiche die Situation hier ein wenig mit der des Spitzer Grabens einst. Natürlich geht es am Lammberg um einen Bruchteil der Fläche, aber genauso um ein kühles, verschmähtes Eck, wo die Arbeit schwer und die Traubenreife früher unsicher war.“, so der Winzer.
Im Keller läuft die Begleitung des Weins ab, wie bei allen seinen Riedenweinen. Was bedeutet: Ganztraubenpressen ohne Maischestandzeit. „Wenn ich die Trauben gleich am Anfang lange mit Luft in Kontakt lasse, wird wichtige Säure veratmet“, erklärt Lorenz Allram. Sie werden mit den Stielgerüsten gepresst, weil diese aufgrund der hohen Reife ohnehin verholzt sind. Für den Winzer ist das schonender, als Abbeeren. Der Most wird über Nacht sedimentiert, danach im großen Holzfass vergoren und ausgebaut. Umgezogen hat er ihn lediglich einmal. Vor der Füllung bekam der Wein eine sanfte Filtration samt einer angepassten Dosis an Schwefel. Die Vorteile, wie Oxidationsschutz und Stabilität, überwiegen für Allram alle unbegründeten Bedenken der Schwefel-Skeptiker.
Ich war mit den ganzen Infos gefüttert ziemlich gespannt, wie sich der Veltliner präsentiert. Im Bukett gibt es eine tiefe und reiche hellgelbe Frucht. Golden Delicious Apfel und saftige Melone mischen sich mit einer tabakigen Note. Am Gaumen ist besonders viel der Würzigkeit präsent, die bis lange ins Finale reicht. Der Wein hat eine hochelegante Struktur und viel Spannung. Seine balancierte Säure steuert eine feine Frische und somit anregenden Trinkfluss bei. Es treffen sich Rebsortentypizität, Finesse und vor allem richtig viel Tiefgang. Was Lorenz Allram zum Schluss noch sagt: „Ich kann mir keinen schöneren Weingarten vorstellen.“ Das drückt auch der Wein auf seine ganz eigene Art aus.
@Kalk&Kegel