2021 Zweigelt Huat – Andreas Ziniel
Huat ist komplett anders. Kein Allerweltsroter mit banaler Frucht und wenig Charakter. Zum Glück. Mit ihm löst sich sogar das „Ich mag keinen Zweigelt“ ganz einfach in Luft auf.
Im Duft gibt es entspannte, dunkle Fruchtnoten – Zwetschke, Kirsche und Brombeere. Dazu eine pfeffrig-rauchige Kräuterwürze, ganz leicht Lakritze und Graphit. So rangiert dieser Zweigelt schon weit abseits vom süßlich-marmeladigen Klischee, für das die Sorte berüchtigt ist. Im Burgunderglas mit viel Luft, blüht der Wein von Andreas Ziniel so richtig auf. Das sagt viel. Mancher Zweigelt würde hier schnell in die Breite abdriften. Huat hingegen behält seine Form, hat eine fleischige Fülle, ist aber kein aufgepumpter Muskelprotz. Was heißt, viel am Gaumen bei moderatem Alkohol. Sein präsenter Gerbstoff und die attraktive Struktur tragen ihn. Der Wein ist wie ein Kumpel mit einem durch und durch echten Charakter. Aktuell hat er eine fantastische Trinkreife, kann aber auch noch reifen.
Huat bedeutet in der Mundart Hutweide und ist der Name der Ried, von der die Trauben für den spannenden Wein stammen. Sie liegt direkt angeschlossen an den Ort St. Andrä am Zicksee, also grob gesagt im Herz zwischen Illmitz, Andau und Frauenkirchen. Der Boden in der Huat ist geprägt von Schwarzerde. Im Untergrund gibt es Lehm mit einem hohen Eisenanteil. Der ist deutlich in dem Zweigelt spürbar und drückt sich vor allem durch seine Fleischigkeit aus. „Mit ihren 35 Jahren haben meine Rebstöcke in der Hutweide das perfekte Alter. Wir ernten hier nur ganz kleine Trauben und Mini-Beeren. Aber Zweigelt ist halt trotzdem Zweigelt. Genauso wie beim Grünen Veltliner muss man zum richtigen Moment eingreifen. Der Ertrag darf nicht zu reichlich ausfallen“, sagt Andreas Ziniel.
Nach der Handernte haben die ganzen Trauben mit Putz und Stingl zuerst eine Woche im geschlossenen Behälter mit der Methode Carbonique angegoren. Anschließend ließ Ziniel die Maische weitere zwei Wochen klassisch weitergären. „Das zusammen bringt eine komplexe Aromatik, ein Plus an Tannin und vor allem die Kräutrigkeit“, sagt der Winzer. Nach dem Pressen reiften 70 Prozent des Weins in gebrauchten 500 und 600 Liter großen Holzfässern. Den Rest lagerte in Keramik. Der Beweggrund: Holz gibt dem Wein durch den Sauerstoffaustausch Vielschichtigkeit, Keramik erhält hingegen die Frische. Die einzelnen Teile des Zweigelt wurden ein gutes Jahr separat ausgebaut. Danach durften sie im Stahl noch vier Monate in Ruhe zusammenfinden.
Vor dem Release behielt Andreas Ziniel die Flaschen noch ein weiteres Jahr in seinem Keller. Gut Ding braucht einfach Zeit. „Ich fand den 2021 Huat am Anfang ein klein wenig reduktiv. Durch die Flaschenreife hat sich das super ausgeglichen. Jetzt ist er perfekt“, sagt der Winzer. Er findet, dass die Art Rotwein alle abhole. Sommeliers, Weinfreaks, aber auch Personen, die nicht zu tief im Thema drin sind. Aktuell gibt es noch eine kleine Menge vom 2021er. In den Jahrgängen 22 und 24 hat Ziniel keinen Huat gekeltert. Die Traubenqualität war nicht so, wie er es sich vorstellt. Weil: zu heiß und deshalb die Aromatik zu üppig. 2023 hingegen ist vielversprechend und steht kurz vor dem Release. „Auch mit dem 2025 habe ich richtige Freude. Das wird ein großer Wein“, sagt er. Mehr Winzer wie ihn, mit dem richtigen Gefühl für Zweigelt, bräuchte das Land und auch die Rebsorte.
@Kalk&Kegel