2024 Puristisch weiss – Biohof Lehner

Sebastian Lehners Puristisch-Serie soll vor allem trinkanregend und fröhlich sein. Was aber trotzdem nicht fehlt, ist viel Golser Herkunftscharakter und die entspannte Handschrift des Winzers.

Der unangepasste Puristisch weiss ist goldgelb in der Farbe, hat einen deutlich cloudy Touch. Er duftet wie ein Korb gemischter, frisch geschnittener Wiesenkräuter. Ein wenig wilder Oregano, Kamillenblüte und Thymian. Mit Luft kommt nasser Stein dazu. Und Erde. Man fühlt sich fast wie auf einem Spaziergang durch Lehners Bio-Weingärten, wenn es kurz vorher geregnet hat. Eine geschmeidige Struktur, verbunden mit zartem Grip von einem kurzen Maischekontakt, prägt den Gaumen. Alles fließt. Hier ist nichts mühsam freaky, sondern sauber, geradlinig und vor allem so richtig trinkig. Ein wahrhaftiger Wein für jeden Tag, wie er besser nicht sein könnte. Unterhaltsam, lebhaft und wie ein guter Freund, der keine komplizierten Fragen stellt. Ehrlich und geraderaus.

Genau das ist auch die Idee hinter Sebastian Lehners Weinen aus der Puristisch-Serie. Bei weiss ist aktuell 2024 verfügbar. Der Jahrgang wird übrigens am Etikett nicht direkt angegeben. Um ihn herauszufinden, braucht es die Nachschau bei der Losnummer auf der Flaschenrückseite. Die Trauben stammen aus der Ried Altenberg in Gols. Die Lage ist ein Südwesthang der Parndorfer Platte. „Mir bedeutet der Weingarten sehr viel. Meine Oma hat ihn mit in die Familie gebracht. Es wachsen dort ganz alte Reben – Weißburgunder und Neuburger. Die Lage steuert dem Wein außerdem zwei unterschiedliche Charaktere bei. Ganz oben gibt es Kalk, das bringt Leichtigkeit. Weiter unten am Hangfuß sind die Böden schwerer, die Trauben haben mehr Kraft. Das bringt den Körper“, so Lehner.

2024 gilt als heißer Jahrgang. Das ist im Wein aber zu keinem Moment spürbar. Geerntet wurde schon Ende August und anfangs September, um die für den Trinkfluss wichtige frische Säure zu erhalten. Nach dem Rebeln blieb der Neuburger zwei Tage auf der Maische, der Weißburgunder nur einen. Ein Plus an Struktur und Spannung ist der Grund dahinter. „Die beiden Rebsorten passen immer super zusammen. Ich habe sie in meiner Laufbahn schon öfter gemeinsam vinifiziert“, sagt Sebastian Lehner. Kurze Zeit hat er den jungen Most aus praktischen Gründen im Presshaus im Stahltank rasten lassen. Danach ging es mit Falldruck in den Keller, wo er in gebrauchten 500 Liter Fässern vergor. Die konnte Lehner übrigens von Gernot Heinrich und der Familie Nittnaus übernehmen.

Mit den Pannobile-Betrieben pflegt er schon lange eine gute Verbindung. Einige Jahre arbeitet er bereits die Hälfte der Woche bei Judith Beck. „Das taugt mir. Wir verstehen uns sehr gut und es geht sich zeitlich momentan noch aus, weil meine Eltern trotz ihrer Pension im Weingut mithelfen“, sagt Lehner. Vor allem durch den wertvollen Austausch mit seinen Golser Kolleg:innen hat er sich entwickeln können und seinen eigenen Stil gefunden. Zurück zum Keller und zum Puristisch weiss. Während der Fassreife wurde der junge Wein zu Beginn sporadisch aufgerührt, um nicht in eine zu reduktive Richtung abzudriften. Stichwort Popcorn. Vor der Füllung lief er lediglich durch ein grobes Sieb. Sonst ist genau das passiert, was das Etikett sagt. Begleitetes, puristisches Nichtstun.

@Kalk&Kegel