2024 Extravaganza – Birgit Wiederstein
Noch nie von Braunem Veltliner gehört? Dann ist der Extravaganza von Birgit Wiederstein eine ziemlich lässige Möglichkeit die Bildungslücke zu schließen.
„Der Braune Veltliner ist eine spannende Rebsorte. Sie erreicht die physiologische Reife bereits mit 15 oder 15,5 Grad KMW. Danach verliert sie aber schnell ihre Säure. Der Weingarten ist immer der Erste, den wir im Herbst ernten“, erzählt Winzerin Birgit Wiederstein. Die Weine rangieren aus dem Grund auf der leichteren Seite, haben aber trotzdem viel Charakter. „Der Braune Veltliner war in der Phase, als dichte und kraftvolle Weine Hochkonjunktur hatten, fast ein wenig aus der Zeit gefallen.“ Heute ist der Weintyp aktueller denn je. Birgit Wiederstein hat deshalb 2020 einen weiteren halben Hektar in der Göttlesbrunner Ried Hagelsberg ausgepflanzt. Die Sorte ist nicht nur ein super Solist, sondern eignet sich auch genial als Cuvéepartner, wie etwa an der Seite von Gelbem Muskateller.
Meine Notiz zum 2024 Extravaganza: Im Duft des leuchtend zartgoldenen Weins gibt es Noten von kräutrigem Wiesenheu, etwas Tabak, Apfel und saftig reife Birne. Das zusammen wirkt subtil, ist voll Finesse. Der Wein erinnert mich an ein leichtes, mit hellen Farben bedrucktes Seidentuch, durch das ein Sommerwind weht. Er spielt mit vielen Facetten, bleibt aber stets zart und ruhig. Am Gaumen ist er vielschichtig, elegant samt zarter Frucht und feiner Säure. Mit Luft und im größeren Glas entwickelt sich der Extravaganza besonders schön. Wichtig ist nur, dass die Temperatur dabei nicht zu hoch wird. Mein Tipp: In eine Karaffe umgießen und anschließend wieder kühlen.
Birgit Wiederstein erzählt über die Rebsorte, die nicht mit dem Grünen, dafür aber mit den Roten Veltliner verwandt ist, dass sie ziemlich kompliziert sei. Anfällig für Mehltau, sensibel beim Reifezeitpunkt. Das ist mit Sicherheit der Grund, warum sie kaum angebaut wird. Eine weitere Herausforderung sieht sie im Wort braun. Das verbinden viele leider noch immer mit der schwierigen politischen Vergangenheit und weniger mit Genuss. „Aber ich liebe es kompliziert“, sagt Wiederstein. Die Rebsorte hat ihren Namen vermutlich aufgrund ihrer Beerenschalen in der Reife. Jener Teil der Traube, der sich am Stock der Sonne hinwendet, färbt sich bräunlich bis dunkelrosa.
Zur Entstehung des Weins: 2024 wurde bereits am 14. August morgens gelesen. Ein Teil der ganzen Trauben hat die Winzerin mit Füßen gestampft und dann mit flüssigem CO² überlagert. Der Rest wurde gerebelt. Nach dem Pressen vergor der Most spontan und reifte im Stahl. Der Wein ist unfiltriert und mit einer geringen Schwefelgabe gefüllt. Vom Extravaganza gibt es lediglich eine kleine Menge. Die ist aber von der Qualität groß. „Ich liebe ihn zu Gerichten mit Fett, Süße und Schärfe. So wie in der orientalischen Küche. Koriander und Granatapfel passen genial zum Wein. Super lässt er sich auch fast zur kompletten Gemüsebandbreite kombinieren“, sagt Birgit Wiederstein.
@Kalk&Kegel