2022 Chardonnay Ried Guttenberg Leithaberg DAC – Birgit Braunstein
Der Chardonnay Ried Guttenberg von Birgit Braunstein spiegelt das eigenständige Terroir genauso wie die ruhige, gefühlvolle Zuwendung der Winzerin wider.
„Unser weißer Leithaberg kam schon immer von der Ried Guttenberg“, sagt Birgit Braunstein. „Früher haben wir die Weine ohne Angabe der Riede abgefüllt. Das ist nach der DAC-Novelle anders.“ Jetzt werden Gebiets-, Orts- und Riedenweine unterschieden. Guttenberg liegt oberhalb von Purbach und hat einen wunderbaren Blick auf den Neusiedler See. Die südwestlich ausgerichtete Lage ist geprägt vom Muschelkalk. Die Rebstöcke, die ihre Wurzeln tief ins karge Erdreich strecken, sind rund 50 Jahre alt und geben nur noch wenige, aber dafür umso wertvollere Trauben.
Birgit Braunstein ist es besonders wichtig Herkunftsweine mit Finesse zu keltern. Gleichzeitig strahlen alle viel Persönlichkeit aus. Ganz so wie die Winzerin selbst, die zu den sympathischsten Menschen in der Weinszene gehört. Sie und ihre beiden Söhne Felix und Maxi, mit denen sie das Weingut führt, sind Mitglied bei der Vereinigung Renaissance des Appellations. Die Gruppe wurde einst vom Biodynamie-Vordenker Nicolas Joly gegründet. Es sind hier Weinbaubetriebe aus aller Welt zusammengeschlossen, die sich für die Pflege der Einzigartigkeit des Terroirs und seines authentischen Ausdrucks einsetzen. Aus Österreich sind neben Braunstein lediglich sechs weitere Betriebe dabei: Nikolaihof, Geyerhof, Rebenhof, Meinklang, Gut Oggau und Gut Oberstockstall. Grundvoraussetzung für alles ist selbstredend der biologische Weinbau. Das Weingut Braunstein ist DEMETER-Mitglied.
Zurück zum Chardonnay Guttenberg aus 2022. Der Jahrgang war für viele Weinbaubetriebe nervenaufreibend. Große Trockenheit, starke Hitze und dann auch immer wieder Regenfälle zu ungünstigen Momenten, machten die Arbeit in den Reben zum Spießrutenlauf. Hier hat sich aber gezeigt, dass schon jahrelang biologisch gepflegte Reben – von Haus aus gestärkt und nicht abhängig von synthetischen Mitteln – mehr Widerstandskraft haben. Das Weingut Braunstein konnte also eine gute Ernte einbringen. Die Chardonnay-Trauben wurden nach dem Prinzip „low but not lazy“ gekeltert.
Gestartet wurde mit einer dreitägigen Maischestandzeit, spontan vergoren und in gebrauchten 500 Liter fassenden Stockinger-Eichenfässern ausgebaut. Für mich hat sich der aktuell noch jugendliche Burgunder, doch schon recht zugänglich gezeigt. Er duftet apart nach reifer gelber Frucht (Birne und ein wenig Marille), nach Tarocco-Orangen und Akazienhonig. Feine rauchige Noten mischen sich mit der Zeit dazu. Am Gaumen ist der Wein ein sanfter Riese, hat aber gutes Potential. Sein Säuregerüst ist präsent, wirkt aber fast samtig. Trotzdem ist der Chardonnay weit entfernt von üppiger Schwere. Wer den Wein im Moment vor dem Genuss in eine Karaffe füllt, tut ganz sicher das Richtige, um ihm noch mehr von seinem unverkennbaren Leithaberg-Charakter herauszulocken.
@Kalk&Kegel