2023 Grüner Veltliner Ried Käferberg 1ÖTW Kamptal DAC – Bründlmayer

Ein echter Archetyp. Vom Käferberg kommt Grüner Veltliner, der den Ausdruck des Kamptals im Premiumbereich wahrscheinlich am allerbesten einfangen kann.

Im nördlichen Teil von Langenlois liegt der Käferberg, eingebettet zwischen Rieden wie Steinhaus und Dechant. Die Lage teilt die Region in Ost und West, und ist ein echtes Veltliner-Terroir. Wobei Pinot Noir und St. Laurent sich hier auch ziemlich wohlfühlen. Oben am Käferberg liegt das Kufsteinplatzerl beim Wanderweg. Es ist das Zeichen der Städtepartnerschaft mit dem Tiroler Ort. Hier kann man das Terroir besonders gut auf sich wirken lassen. Die Lage weist eine vielfältige Geologie auf. Man findet kristalline Gesteine, Amphibolite, Gneis und Glimmerschiefer. Darüber liegen Tonmergel, Sand und Kies. Der Boden gleicht dem von Château Petrus im Pomerol und ergibt einen dichten Weintyp. Der Riedenname leitet sich übrigens von seinen früheren Besitzern ab. Aus Cheuerperg wurde Cheferperg und dann Keferberg. Aber das ist alles schon ziemlich lange her.

Zurück in die Jetztzeit. „2023 war vor Lesebeginn nach einer langen, guten Vegetationsperiode eigentlich alles angerichtet für einen herausragenden Jahrgang. Am 11. September haben wir begonnen, die ersten Trauben für den Sektgrundwein reinzuholen“, erzählt mir Andreas Wickhoff MW, CEO bei Bründlmayer. Am 13. September kam dann Hagel. Der hat Langenlois glücklicherweise nur gestreift. Stark betroffen war der angrenzende Wagram. Die Witterung danach blieb trocken und stabil. Es war zwar wichtig beim Lesen zu selektionierten, die Schäden hielten sich aber in Grenzen. In der zweiten Oktoberwoche konnte vom Käferberg eine prachtvolle Ernte heimgebracht werden.

Im Keller: Die ganzen Trauben kamen aus den 25 Kilogramm Lesekisten direkt ohne Rebeln in die Presse. „Das ist für uns die schonendste Art der Verarbeitung. Vor allem verschiebt sich dabei der pH-Wert nicht nach oben“, sagt Wickhoff. Der Most wurde eine Nacht natürlich sedimentiert und anschließend drei Tage im Edelstahl angegoren. In der Folge durfte er sich in Ruhe im großen Holzfass zum jungen Wein entwickeln, wo er dann noch insgesamt acht Monate auf der Vollhefe blieb. Eine kurze Zeit vor der Füllung ging es zurück ins Stahl. Der Grund: Der fertige Wein bleibt hier, wie er ist: kompakt und strukturiert. Vor der Füllung gab es eine sanfte Filtration und geringe Schwefelgabe.

Die Reife des Jahrgangs wird im Wein klar spürbar. Im Bukett ist er ein ganz klein wenig flinty. Dazu kommen eine facettenreiche Kräuterwürze, reife Grapefruitnoten, gelbes Kernobst und ein Hauch von Blütenhonig. Die Struktur des Veltliners ist eine echte Ansage. Der eigenständige Typ ist charakterstark, hat aber auch saftigen Trinkfluss. Natürlich jetzt noch sehr jung, präsentiert er durchaus schon sein Potential. Im großen Burgunderglas und nicht zu kühl serviert, macht er zudem richtig schön auf. Fazit: Ein spektakulärer, ausdrucksvoller Wein mit einem echten Kamptaler Herz. „Spiegel geht eher in Richtung Avantgarde, Lamm ist meist ein wenig burgundig. Der Käferberg verkörpert für uns alle das wahre Kamptal“, so der O-Ton aus dem Weingut Bründlmayer.

@Kalk&Kegel