2024 Grüner Veltliner Ried Hermannschachern 1ÖTW – Ebner-Ebenauer

Marion und Manfred Ebner-Ebenauer werken ganz im Norden des Weinviertels. Sie stehen für superspannende Sekte, geniale Rote und – nicht zu vergessen – Grüne Veltliner mit Tiefgang.

„Hermannschachern hat irgendwie etwas ganz Besonderes. Wenn wir uns zum Arbeiten dorthin aufmachen, sind alle mit Feuereifer dabei. Die Lage wurde nie flurbereinigt und ist deshalb wie eh und je umrahmt von Böschungen und Bäumen. Wir genießen dort oft unsere Mittagspause unter dem großen Nussbaum. Der Blick über die Hügel des Weinviertels kann was“, sagt Marion Ebner. Hier gibt es ganz viel Natur, die nicht in Form gepresst wurde. Die nach Süden ausgerichtete Riede liegt nordwestlich von Poysdorf und umfasst rund 25 Hektar Fläche. Der Grüne Veltliner dominiert mit einem Anteil von 50 Prozent. Zudem wächst Welschriesling und Riesling. Hermannschachern ist klein strukturiert. Viele Winzer teilen sich die Fläche. Das gibt der Anlage zusätzlich eine geerdete Aura.

„Ein Hermannschachern lässt sich aus einer Serie Veltliner immer ganz klar herauskosten. Er hat tolle Salzigkeit und ganz viel Würze“, sagt Marion Ebner. Die Reben wurzeln in etwa 15 Millionen Jahre alten, vorwiegend feinkörnigen Meeressedimenten, die jedoch weitgehend von Löss beziehungsweise Lösslehm bedeckt sind. Der Muschelkalk kommt aber teilweise bis an die Oberfläche. Man findet immer wieder versteinerte Muscheln. Diese Voraussetzungen im Boden machen etwas mit dem Wein. Bei Ebner-Ebenauer wird er wegen seines einzigartigen, unverkennbaren Charakters auch schon seit drei Generationen mit der Rieden Bezeichnung Hermannschachern abgefüllt.

„Wir nutzen den Reifezeitpunkt zwischen Kabinett und Spätlese. Der Wein soll elegant und präzise daherkommen“. So die Anforderung bei der Ernte. 2024 war richtig heiß. Deshalb hat bereits Mitte August die Lese für die Sektgrundweine begonnen. Dann ging es Schlag auf Schlag. Nachdem es wieder kühle Nächte gab – Stichwort Aromenausbildung – und die physiologische Reife da war, wurde diesmal in zwei Durchgängen geerntet. Der erste anfangs September für die Säure im Wein. Rund zwei Wochen später Teil zwei für den authentischen Rebsortenausdruck. Die beiden Chargen vergoren selbstredend spontan. Ebner-Ebenauer arbeitet biodyn. Die Menge vom ersten Lesetag kam ins Stahl, um die Frische zu erhalten. Die spätere Erntemenge reifte im gebrauchten Holz. Beides blieb lange auf der Feinhefe. Gefüllt wurde nach der Cuveetierung im Herbst des Folgejahres.

Heute macht der Wein richtig gute Figur. Keine Spur Moppeligkeit, wie normalerweise von einem Hitzejahr zu erwarten. Für mich hat er einen Charakter wie Salz und Pfeffer. Im Duft sind gelbe Äpfel, deutlich Tabak, genauso wie eine anregende Kräuterwürze. Mit Luft öffnet sich der noch junge Veltliner richtig toll. Mir gefällt er besonders aus dem Burgunderglas. Am Gaumen gibt es eine geniale Spannung, die dem Wein den richtigen Rahmen bietet. Die Säure ist supersaftig, der Körper durchaus stoffig. Trotzdem ist da auch Leichtfüßigkeit und Finesse. Fazit: Ein lässiger, vor allem waschechter Herkunftswein. Und was dazu aus der Küche? Am besten ein klassisches Wiener Schnitzel mit einer Prise Fleur de Sel. Und für alle, die nicht Team Fleisch sind: Gebackener Spargel mit Sauce Tartare.

@Kalk&Kegel