2023 Mademoiselle Elisabeth Chardonnay Alte Reben Lehmboden – Elisabeth Rücker

Für die Familie von Elisabeth Rücker war schon vor über 40 Jahren klar, dass der Chardonnay ins Weinviertel gehört. Mittlerweile ist er tief in ihren Weingärten verwurzelt.

Der Chardonnay Alte Reben ist ein hochspannender Wein, der sich in keine Schublade stecken lässt. Im Bukett treffen Noten wie Fichtennadeln, dunkelgelbe Frucht, grüner Tee, ganz dezent Apfelschale und Haselnuss aufeinander. Das zusammen wirkt sehr spannend und anregend. Am Gaumen ist der Wein engmaschig, zeigt Druck und Struktur. Er rangiert damit zu keinem Moment unter dem Motto Charmeoffensive, sondern hat richtig viel Charakter. Die direkte Säure des Weins zieht sich wie ein roter Faden durch und markiert sein tolles, fast sehniges Gerüst. Er braucht Luft, Zeit und Temperatur. Karaffieren ist also ein unbedingtes Muss. Danach zeigt er sich noch archaischer und mit großer Ausstrahlung. Ein Chardonnay für Menschen, die Tiefgang, Unangepasstheit und Mineralität suchen.

„Bei uns steht die Rebsorte nur in den ausgesuchtesten Lagen. Ich mag den Chardonnay sehr und habe auch erst kürzlich wieder einen Hektar neu ausgesetzt“, erzählt Elisabeth Rücker. Unschlagbare Qualität bringen natürlich die alten Rebstöcke in der Ried Halblehen, die schon lange im Boden verankert sind. Sie beginnt direkt im Anschluss an den Ort Unterretzbach und erstreckt sich mit ihren 42 Hektar Fläche bis zur Staatsgrenze nach Tschechien. Halblehen ist nach Süden und Südwesten ausgerichtet und gilt als sehr trocken. Der Grund ist ihre geografische Situation am Fuß des Manhartsbergs, der durch seine Masse oft den Regen aufhält. Der Lehmboden in der Riede ist kalkhaltig. Ein Wohlfühlambiente für den Chardonnay, das sich im Wein mit salzigen Noten ausdrückt.

„2023 war für mich, wie schon 2016, ein super Jahrgang. Es hat alles gepasst. Die Vegetation ist gut verlaufen. Im Herbst wurde es kühler und wir konnten im richtigen Moment perfekt reife, gesunde und pralle Trauben ernten“, so Elisabeth Rücker. Nach dem Rebeln blieben die Chardonnay Beeren, um eine zarte Auslaugung der Aromen zu erreichen, über Nacht im Bottich stehen. Tags darauf wurde gepresst. Der Most kam direkt in 500 Liter fassende Fässer mit Dauben aus unterschiedlicher Eiche, die sich speziell für den Ausbau für Burgunder eigenen. Rücker verlässt sich da ganz auf den Küfer ihres Vertrauens. Nach der Gärung blieb der junge Wein zur Reifung ein Jahr auf der Vollhefe im Holz. Nach einer sanften Filtration und Mini-Schwefelgabe ging es ab in die Flasche.

Der Chardonnay Alte Reben wird mit dem Label Mademoiselle Elisabeth etikettiert. „Eine Bekannte aus Frankreich hat mich zu dem Namen inspiriert. Ich habe eine Bezeichnung für die Weine gesucht, die so eigenständig sind, wie es meinem Charakter entspricht. Ich verwende hier nur Trauben aus den ältesten Weingärten und besten Rieden“, sagt Rücker. Die kleine Serie umfasst fünf verschiedene Weine. Zwei Grüne Veltliner, ein Riesling, eine Cuvée aus Weißburgunder und Sauvignon Blanc und den Chardonnay. Was für alle gilt: sie machen sich top bei Tisch. „Den Chardonnay öffnen wir uns zuhause, wenn wir etwas Schärferes kochen oder für ein Gericht, das viel Würze hat“, so Rücker. Mein ganz persönlicher Tipp fürs Pairing ist ein spicy indisches Linsen-Dal mit Koriander und Naan-Brot.

@Kalk&Kegel