2023 Pinot Blanc Leithaberg DAC Ried Oberer Wald – Esterhàzy
Weißburgunder fühlt sich am Leithaberg pudelwohl. Das Klima und der Kalk im Boden taugen ihm. Im Keller von Esterhàzy läuft er zudem zur Hochform auf.
Die Ried Oberer Wald, auf der Strecke Rust – Oggau, ist ein zuverlässiger Tipp in Sachen Blaufränkisch. Die Weine ähneln stark denen des direkten, prominenteren Nachbarn Mariental. Werden aber weit nicht so hoch gehandelt und gehen daher zu einem richtig guten Preis-Genuss-Verhältnis über die Theke. Die Lage wird zu Unrecht nur als kleiner Mariental bezeichnet, denn die Weine schmecken richtig groß.
Dass neben dem Blaufränkisch Weißburgunder die zweitwichtigste Sorte im Oberen Wald ist, wissen viele nicht. Das Terroir ist klasse. Der Boden mit seinem, für den Leithaberg typischen Muschelkalk, hier zu Kreide zersetzt und mit einer dünnen Schicht Braunerde überzogen, bildet die Basis. Zusammen mit der südöstlichen Neigung Richtung See ist die Riede für den Anbau von Pinot Blanc mindestens genauso perfekt wie für den Blaufränker. Esterhàzy besitzt ein Filetstück am sanften Hügel. 2012 wurden dort Weißburgunder Rebstöcke gepflanzt.
Mit dem Backgroundwissen im Kopf, ist vollkommen klar, warum der Wein so schmeckt, wie er schmeckt. Im Duft habe ich zuerst Kreide, Kreide, Kreide. Das gefällt mir gut, weil daneben auch eine ganz feine, attraktive Frucht Aromatik mitschwingt. Da sind helle Noten wie Birne und gelber Apfel, weiße Blüten und abgezogene Mandel. Der spezielle Jahrgangscharakter von 2023 (kühles Frühjahr, lange und warme Reifeperiode) steuert zudem eine elegante Säure und Schmelz bei. Der Wein ist genial burgundig strukturiert und lässt sich trotz seiner Jugend schon herrlich trinken. Am besten nicht zu stark kühlen und ab ins Burgunderglas. Und er ist ein super Speisenbegleiter. In Kombination mit einem Schwarzwurzelrisotto beispielsweise. Oder side by side zum Flammkuchen mit Brie, Birne und Ruccola. Weißburgunder ist für mich sowieso ein Universalgenie im Wine&Food-Pairing. Es sollte vielmehr davon auf den Weinkarten gelistet sein.
Mit dem 2023er bringt Esterhàzy diesen Weißburgunder erstmals samt seiner Rieden Bezeichnung und als Leithaberg DAC in den Verkauf. Gereift wurde er in 500 Liter Fässern aus Eiche der eigenen Wälder. Franz Stockinger ist dabei Esterhàzys Fassbinder des Vertrauens. 10 Monate reifte der junge Wein im Holz auf der Feinhefe. Alle Eingriffe samt Schwefelgabe wurden auf das Minimale reduziert. Dahinter steht Kellermeister Jakob Holzmann, der bereits an der Seite seines Vorgängers Rob Kramer gearbeitet hat und die herkunftsfokussierte, puristische Stilistik weiterführt. Ticiana Nagy ist verantwortlich, dass es den biologisch gepflegten Reben gut geht und perfekte Trauben geerntet werden können. Wolfgang Hewarth, viele Jahre in der hochqualitativen Weinszene unterwegs, ist genau die richtige Person, bei der alle Fäden zusammenlaufen.
@Kalk&Kegel