2024 Grüner Veltliner Dürnsteiner Ried Liebenberg Wachau DAC – FX Pichler
Der Liebenberg steht oft im Schatten von prominenten Rieden wie Achleiten oder Loibenberg. Sein eigenständiges Terroir hat aber richtig viel zu bieten.
Einige große Namen haben Besitz am Liebenberg – Jamek, Alzinger, die Weinhauer:innen der Domäne Wachau und natürlich die Familie von Lucas Pichler. Trotzdem sind die Weine der Riede nach wir vor gefühlt leider kaum sichtbar. Ich habe die Veltliner (die Lage steht für die Sorte) aus den imposanten, steilen Weingärten schon immer ziemlich gern gemocht. Die Weine kommen meist ein wenig karger und nicht so geschmeidig daher, wie mancher Wein aus der berühmten Nachbarschaft. Liebenberg hat in seiner ganz eigenen Stilistik einen fast steinigen, intellektuellen Ausdruck. Also weniger Hollywood Blockbuster und mehr Arthouse Film.
Sie ist die letzte Riede, die noch zu Dürnstein gehört, bevor hinter der Gemeindegrenze die Weißenkirchner Weingärten beginnen. „Liebenberg zählt für mich zu den allerbesten Lagen in der Wachau und ist sicher die speziellste“, sagt Lucas Pichler. Seine Fläche dort zieht sich vom Fuß des Hangs bis etwa zur Mitte hinauf. Angelegt ist sie auf Terrassen mit typischen Trockensteinmauern. Das Besondere am Terroir ist der Kalkboden – eine Rutschmasse aus dem Waldviertel. Darunter mischen sich Paragneis und Amphibolit, wie man sie auch in der unweit gelegenen Ried Achleiten findet. Die Wasserversorgung im Liebenberg ist gut, die Trauben reifen eher spät. Übrigens: Der Name Liebenberg leitet sich ab von den ehemaligen Grundherren, dem Adelsgeschlecht der Liebenberger.
Bis 2020 gab es den Liebenberg regelmäßig im FX-Portfolio. Dann war Pause. „Die Besitzer der Parzelle wollten unsere Bio-Umstellung nicht mitgehen. Schlussendlich haben wir den Weingarten übernommen. Deshalb gibt es den Wein ab dem Jahrgang 2024 wieder“, so Pichler. Für mich braucht er unbedingt ein großes Glas, idealerweise vom Typ Bordeaux. Das Bukett spielt sich zwischen hellem Apfel, Williams Birne und frischen Gartenkräutern ab. Lässig ist seine anregende, herbale Würze. Am Gaumen wirkt der Veltliner präzise, energisch, spannungsvoll vibrierend und voll leichtfüßiger Eleganz. Das alles zusammen nenne ich gerne elektrisch. Dem Jahrgang geschuldet ist die Säure natürlich eher diskret, hat aber trotzdem das Potential für Lebendigkeit und viel Trinkfluss. Alle Attribute zusammen ergeben richtig viel Charakter. Und das bei schlanken 12,5 Prozent Alkohol.
Im Keller fährt Lucas Pichler übrigens eine idente Herangehensweise bei all seinen Lagenweinen. Die händisch geernteten Trauben werden gerebelt, nach einer kurzen Standzeit von sechs bis acht Stunden wird gepresst. Diese Zeitspanne hält er bewusst so kurz wie möglich, dass nicht zu viel Säure veratmet wird. Anschließend folgt ein Absetzen über Nacht. Der fast klare Most wird im Stahl vergoren und anschließend rund acht Monate im großen neutralen Holz ausgebaut. „Damit kann ich der Ausdruck jedes einzelnen Crus so gut wie möglich erhalten und in die Flasche bringen“, meint er. Beim 2024er Liebenberg zeigt sich das in authentischer und absolut unschlagbarer Qualität.
@Kalk&Kegel