2022 Ried Bärnreiser Carnuntum DAC – Philipp Grassl
Bärnreiser ist der große Klassiker und Signature Blend von Philipp Grassl. Die Evolution des Weins begleitet ihn sein ganzes Winzerleben lang.
„Meine ganze berufliche Geschichte ist mit dem Bärnreiser verbunden. Er ist das Fundament im Betrieb und zeigt auch unsere Entwicklung“, sagt Philipp Grassl. Seit 1998 ist er für die Rotwein-Cuvée verantwortlich. „Mein Vater wollte für den Wein eigentlich einen Phantasienamen, wie halt damals so üblich. Für mich war aber von Anfang an klar, dass er Bärnreiser heißen sollte. Und das habe ich auch durchgesetzt“, erzählt er weiter. Mit dem Blick von heute, eine spannende Weitsicht für einen jungen Winzer, der ganz frisch daheim eingestiegen ist. Während seiner Ausbildung war er viel in der Weinwelt unterwegs und hat gesehen, dass der beste Wein meistens den Weingartennamen trägt. Klar, dass er so beharrlich war. Grassl und Bärnreiser gehören heute untrennbar zusammen.
Die 22 Hektar große Riede – ein echtes Terroir für Rotweinsorten – liegt zwischen Göttlesbrunn und Höflein. Grassl hat dort Zweigelt, Blaufränkisch, Merlot und Cabernet Sauvignon stehen. Seine ältesten Stöcke sind aus dem Jahr 1964. Der Boden ist lehmig, in der Tiefe gibt es Jahrmillionen alten, puren Kalk aus Süßwasserablagerungen von Flüssen und Seen des damaligen Wiener Beckens. Im oberen Teil des Hangs mischt sich noch Quarzkies und Schotter dazu. Die Weingärten schauen nach Süden und Südwesten, profitieren somit von reichlich Sonne. Die Bezeichnung Bärnreiser hat übrigens nichts mit dem Tier zu tun. Sie stammt vom althochdeutschen Reisern ab, was Gestrüpp oder Reisig bedeutet. Ein Hinweis auf die Vegetation vor dem Weinbau.
„Der Zweigelt ist das Herz im Bärnreiser und wird immer einen wichtigen Platz einnehmen“, sagt Phillip Grassl. Er bringt Saftigkeit und Frucht, und steht natürlich für die Region Carnuntum. Der Blaufränkisch (1995 gepflanzt) steuert Struktur, Säure und Würze bei. Die beiden heimischen Sorten machen 2/3 des Weins aus. Der Rest setzt sich aus Merlot und Cabernet Sauvignon zusammen. Der Anteil des Blaufränkers in der Cuvée wird in Zukunft aber Zulasten des Zweigelts noch eine Spur steigen. Stichwort: Klimawandel. Hier kommt auch der Cabernet Franc ins Spiel, den Grassl ausgepflanzt hat. Spannend daran findet er das Plus an Frische und Trinkigkeit. Ob der Cabernet Franc künftig Teil seiner Signature Cuvée wird, ist noch offen, aber durchaus eine Option.
Wenn es um die Entwicklung des Bärnreiser geht, ist das Zurückfahren des Holzeinsatzes wichtiges Thema. Cabernet und Merlot dürfen nach wie vor im Barrique reifen. Der Hauptanteil, also Zweigelt und Blaufränkisch, werden heute aber im 500 Liter Fass ausgebaut. Das prägt den Wein im Hinblick auf mehr Ruhe und Spannung. Trotzdem bleibt der Bärnreiser in der leicht adaptierten Form immer seinem Stil treu. Was bedeutet ein dichte Purpurfarbe, fast ein wenig wie violetter Samt. Im Duft machen schokoladige Noten, reife Waldbeeren, Cassis und Lebkuchengewürze das große Ganze aus. Am Gaumen sagt der Wein sofort, ich bin da, ist enorm saftig und dicht. Was natürlich auch ein wenig dem heißen Jahr 2022 geschuldet ist. Dabei reißt der fließende Charakter aber nie ab und ist mit dem stattlichen Tannin in großartiger Balance. Ein echter Carnuntumer mit Riesenpotential.
@Kalk&Kegel