2021 Sauvignon Blanc Ried Nussberg GSTK Südsteiermark DAC – Gross

Ein Muss, wenn es in Österreich um Sauvignon Blanc geht. Johannes Gross begleitet seinen Top-Wein nur sanft. Der Rebsortenausdruck rückt dabei zugunsten der Herkunft in den Hintergrund.

Nussberg ist der Lebensmittelpunkt der Familie Gross. Ihr Weingut liegt eingebettet zwischen den Rebhängen. „Wir sind hier aufgewachsen. Für uns ist es nicht nur eine Adresse, sondern unser Zuhause“, sagt Johannes Gross. Die Lage ist historisch für den Weinbau in der Steiermark schon lange relevant. Die Aufzeichnungen gehen bis ins 13. Jahrhundert zurück. Damals war der Weingarten im Besitz der Kirche. Und die wusste immer, wo die besten Plätze sind. „Unsere Vorfahren haben seit fast 500 Jahren hier als Bauern gearbeitet. Mitte der 1980er Jahre hat unser Vater begonnen, die Fläche zu rekultivieren. Heute besitzen wir 5,5 Hektar Nussberg plus einen weiteren Hektar in Pacht“, so Gross. Gute 60 Prozent sind mit Sauvignon Blanc bepflanzt, der Rest entfällt auf Morillon, Weißburgunder und Welschriesling. Heuer wurde als Versuch ein wenig Furmint ausgesetzt.

Bis etwa 2010 hat man am Weingut Gross viel probiert, um auszuloten, wie der Wein vom Nussberg am besten zur Geltung kommt. Da waren durchaus auch deutlicher Einsatz von kleinem Holz oder Botrytis im Spiel. „In eineinhalb Generationen ist einiges passiert“, sagt Johannes Gross. „Die Weinwelt hat sich gedreht, der Konsument eine Entwicklung gemacht.“ Seit rund zehn Jahren setzt die Familie Gross den Fokus mehr aufs Terroir. Der Ausdruck der Rebsorte hat sich während der Zeit fast wie selbstverständlich zurückgenommen. Sauvignon bleibt als Aromasorte immer Sauvignon. Das ist klar. Mit weniger Einflussnahme kommt die Herkunft im Wein aber deutlicher zur Geltung.

Was macht den Nussberg besonders? Die Riede bildet eine Flanke am Ratscher Talkessel. Unterteilt wird in den südwestlichen Nussberg Pretschnigg , Nussberg Stauder am Hochplateau und den Nussberg mit einem 80-prozentigen Gefälle und Blick Richtung süd-südwest. Hier dominiert der Kalkmergel (Opok). In dieser geschützten Umgebung ist das Klima warm, die Rebstöcke können ausgiebig in der Sonne baden. „Bei der Vinifikation habe ich keine starren Regeln“, so Johannes Gross. Die einzelnen Parzellen sind 2021 separat in 600 bis 2.400 Liter gebrauchten Holzfässern ausgebaut. Was der Familienverband danach als würdigen Nussberg herauskostet hat, durfte im Stahl noch in Ruhe zusammenfinden. Gefüllt wurde mit einer geringen Schwefeldosis im Frühjahr 2025.

Der Wein präsentiert sich unverkennbar als 2021er. Konzentriert, tiefgründig und mit festem Kern. Das verlangt aktuell nach Luft und Zeit. Eine Karaffe macht unbedingt Sinn. Allerdings sollte der Sauvignon nicht zu warm werden. Um die zwölf Grad finde ich ideal. Zudem ein Bordeauxglas. Im Duft kristallisiert sich so zuerst eine feine kräuterwürzige Komponente heraus. Dahinter gibt es saftige, gelbe Frucht – reifer Pfirsich, Bitterorange, Mango. Später kommen Cassis und Wachholder dazu. Im Mund zeigt sich Reichhaltigkeit, aber auch Eleganz. Der Wein besitzt große Länge und viele Schichten. Er steht jetzt erst ganz am Anfang seiner Evolution, hat seine große Zeit noch vor sich. Fazit: Ein monumentaler Charakter, geprägt durch den Jahrgang und das eigenständige Terroir.

@Kalk&Kegel