2024 Grüner Veltliner Mittelberger Ried Rothenbichl – Gruber43

Der Grüne Veltliner Ried Rothenbichl 2024 hat eine besondere Bedeutung im Weingut Gruber43. Es ist das erste eigene und vor allem ganz persönliche Projekt von Junior Tobias.

Er geht aktuell in die 5. Klasse der VINOHAK in Krems und engagiert sich seit einiger Zeit immer mehr im elterlichen Betrieb. „Seit ich in unseren Weingärten bei der händischen Arbeit oder mit dem Traktor unterwegs bin, hat es mir die Ried Rothenbichl angetan. Dort stehen wunderschöne Rebstöcke auf rotem Boden, der wegen seines Eisengehalts gefärbt ist“, sagt Tobias Gruber. Auf halber Strecke zwischen Langenlois und Mittelberg, schließt die Riede an den Loiserberg und Berg Vogelsang an und ist mehrheitlich nordöstlich ausgerichtet. 50 Prozent der Fläche nimmt hier der Grüne Veltliner ein. 2024 übernahm Tobias Gruber die Arbeit im Rothenbichl in Eigenregie.

In dem heißen Jahr war es wichtig, den Herzblut-Weingarten gut zu versorgen, die Traubenzone schattig, aber trotzdem luftig zu halten. Alles lief gut. Dann kam das Hochwasser. Es richtete in seinen Reben glücklicherweise nichts an. Am 15. September wurde Niederösterreich aber zum Katastrophengebiet erklärt. Tobias Gruber ist Teil der Freiwilligen Feuerwehr. Mit seinen Kammeraden war er eine Woche intensiv eingeteilt, um Dämme zu bauen und Keller auszupumpen. „Trotzdem habe ich den Rothenbichl immer beobachtet. Am 22. September kam der perfekte Zeitpunkt für die Lese. Meine ganze Familie war in dem Moment aber mit Riesling beschäftigt und die Geräte besetzt“, erzählt er. Zum Glück konnte er zehn Leute aus seinem Freundeskreis zusammentrommeln. Laurent Ott aus Feuersbrunn hat zusätzlich fehlendes Equipment beigesteuert. That’s what friends are for.

Mit Sonnenuntergang waren die letzten Trauben in hervorragender Qualität daheim. Sie wurden entrappt, machten über Nacht ein paar Stunden Maischestandzeit. Am Morgen danach lief bereits perfekter, duftiger Veltlinersaft aus der Presse. Trotz des hitzigen Jahres schmeckte man sofort viel Frische und Würzigkeit. Nach einem Tag Absetzen und der spontanen Vergärung im Stahltank wurde der junge Wein ins große Holzfass umgezogen und auf der Feinhefe ausgebaut. „Durch das Reifen dort bekomme ich mehr Komplexität“, so Tobias Gruber. Heute ist er über seinen ersten eigenen Wein extrem glücklich. Gefüllt wurde der im Spätsommer 2025. Allerdings gibt es nur rund 1.000 Flaschen.

Meine Notizen: Im Bukett versammeln sich frische, hellgelbe Kernobstfrüchte, vor allem Delicious Apfel aber auch saftige Williams Birne. Dazu kommen Wiesenkräuter und ein feiner Hauch würzige Tabaknoten. Das ist richtig viel authentischer Veltliner und macht Lust auf den ersten Schluck. Der Wein hat eine tolle Spannung, enorme Saftigkeit und lässig viel Trinkfluss, ist fokussiert, präzise und bleibt lange im Nachhall. Sein straffer Kern gibt ihm zudem Reifepotential. Ein mehr als gelungenes Erstlingswerk. Ich frage Tobias Gruber noch, was er die nächsten Jahre vorhat. „Ich will mich in der Welt umschauen. Vielleicht ins Burgund zum Arbeiten gehen oder wegen meiner großen Liebe zum Riesling an die Mosel. Clemens Busch finde ich beispielsweise genial.“ Gruber43 ist aktuell bereits ein richtig toller Betrieb, aber da wird noch mehr kommen. Das Weingut sollte man im Auge behalten.

@Kalk&Kegel