2023 Riesling Ried Steinberg Grinzing 1ÖTW – Hajszan-Neumann
Steinberg war die Lieblings-Riede von Stefan Hajszan. Als Fritz Wieninger das Weingut von ihm übernommen hat, wollte er diesen besonderen Stellenwert zu bewahren.
Ein Wein, in den man fast so herzhaft hineinbeißen möchte, wie in einen knackigen roten Apfel. Im Duft erinnert er mich an einen Kronprinz Rudolf – bei uns im Garten direkt vom Baum geholt und an Ort und Stelle verspeist. Ein einfacher, aber kaum überbietbarer Genuss. Mit dem 2023er Ried Steinberg hat das Weingut Hajszan-Neumann – wie eigentlich in Serie – wieder einmal einen fantastischen Lagen-Riesling im Portfolio.
Beim appetitlichen Bukett des Weins rinnt einem förmlich das Wasser im Mund zusammen. Neben der knackigen Apfelnote gibt es noch erfrischende Limette, weißer Pfirsich und eine ganz kleine Spur Maracuja. Das komplette Fruchtspektrum findet sich auch am Gaumen wieder und wird von anregend-saftiger Pikanz und Salzigkeit begleitet. Der Wein ist trotz seines großzügigen Ausdrucks geradlinig, hat eine tänzelnde, lebendige Säure und bleibt lange im Nachhall. Ich fragte Fritz Wieninger, der ja bekanntermaßen auch gastronomisch ein gutes Händchen hat, welches Essen er sich dazu wünschen würde. „Einen von meiner Frau Lisi im Ofen zubereiteten Branzino mit fruchtigem Olivenöl und einer Spur Zitrone. Ohne viel Chi-Chi, ganz puristisch“, sagt er. Gute Wahl denke ich. Ich könnte mir auch so etwas wie Weingartenpfirsiche vom Grill mit Ziegencamembert und Rosmarin-Crostini vorstellen. Oder ein Wiener Salonbeuscherl.
Die Ried Steinberg liegt ganz oben in Grinzing. Hier gab es einst einen Steinbruch, wo Felsbrocken für Bauzwecke gewonnen wurden. „Der Boden ist ganz anders, wie in den Lagen, die unterhalb vom Steinberg liegen. Es gibt hier Flysch-Sandstein, der von Quarzvenen durchzogen ist“, so der Winzer. Das erklärt die fein salzige, mineralische Struktur im Wein. Wer zum Hans&Fritz Buschenschank hinauf möchte, passiert die Riede direkt.
Wieninger pflegt den Weingarten hingebungsvoll und mit großem Respekt. Für ihn sind vor allem die Terroir-Voraussetzungen essenziell, um großen Wein zu machen. „Es ist nie eine Frage des Alkoholgehalts“, meint er. Im Keller geht es bei diesem Riesling sehr puristisch zu. Biodynamische Grundsätze, ein ruhiger Ausbau im großen Holzfass und moderater, aber gezielter Einsatz von Schwefel gehören unter anderem dazu. Der Wein durchläuft bewusst keinen BSA und ist – als 1ÖTW selbstverständlich – frühestens ab dem 1. September nach der Ernte verfügbar. Wieninger meint, dem Wein passe auch eine gewisse Reife ziemlich gut. Das mache ihn noch vielseitiger als Speisenbegleiter. Insgesamt gesteht er der Hajszan-Neumann-Kollektion durchaus Ecken und Kanten zu. Die Lust auf ein zweites Glas muss aber trotzdem immer da sein.
@Kalk&Kegel