2022 Traminer – Hanna Glatzer

Traminer macht sich genial als maischevergorener Wein. 2019 hat Hanna Glatzer damit, Seite an Seite mit ihrem zweiten Wein, einem Cabernet Sauvignon, eine kleine, spannende Kollektion gestartet.

„Der Traminer Weingarten in der Ried Aubühl ist die älteste Anlage in unserem Betrieb. Sie liegt in Höflein. Die Stöcke sind heute über 55 Jahre alt. Sie wären fast gerodet worden. Für meinen ersten eigenen Jahrgang habe ich mich aber entschlossen, die Trauben zu verarbeiten. Ich glaube, die Rebzeilen haben die ganze Zeit auf mich gewartet“, sagt Hanna Glatzer. Das Terroir ist im Vergleich zu Göttlesbrunn um die Spur wärmer und feuchter. Der Boden im Aubühl, ein flacher Bergrücken, besteht vorwiegend aus sandigen, teils auch schluffig-tonigen Sedimenten, ist tiefgründig und kalkhaltig. Durch die kühlen Einflüsse des nahen Waldes behalten die Weine trotz der hitzigen Böden und des pannonischen Klimaeinflusses immer eine gute Frische und Würze.

Die Sorte Traminer begleitete die ersten Schritte der jungen Winzerin und tut das bis heute. Mit ihr konnte sie den eigenen, persönlichen Stil ausloten. Schauen, was möglich ist, Erfahrungen sammeln. Vor allem, wie sie an das Thema Maischegärung herangehen kann. Die Höfleiner Vieilles Vignes sind dabei sinnbildlich wie ein Anker. Ein Partner, auf den sie sich verlassen kann. Mit dem sie wächst und der ihr Sicherheit gibt. Mit dem aktuellen Jahrgang 2022 ist Hanna Glatzer sehr zufrieden. „Es war schon extrem heiß und trocken. Aber ich konnte tolle Trauben ernten. Trotz der grenzwertigen Bedingungen hatten sie keinen Stress während der Vegetation.“

Sie findet, dass dem Traminer der Maischekontakt total zu Gesicht steht. Die Tannine gleichen das Fehlen an natürlicher Säure aus. „Ich war in Südtirol auf Praxis. So wie die Traminerweine dort oft gekeltert werden, ist das überhaupt nicht mein Ding. Viel zu viel Parfüm und wenig Struktur“, sagt sie. Ihre Formel für die Vinifikation lautet deshalb: Rebeln, Maischestandzeit im Holzbottich, wo die Spontangärung beginnt. Teils wird überflutet, teils sanft untergestoßen. Der Hintergedanke ist, die Maische in Kontakt mit dem Most zu halten, aber den Gerbstoff nicht zu dominant werden lassen. Nach dem Pressen wird in gebrauchten Holzfässern in der Größe 225 und 500 Liter auf der Vollhefe ausgebaut. Batonnage gibt es keine. Das würde ihren Traminer zu cremig machen, so Glatzer.

Mich hat der Wein total abgeholt. Optisch gibt es eine leuchtend helle Bernsteinfarbe mit zart trübem Schleier. Das Bukett beeindruckt. Es öffnet sich mit Luft und Zeit großartig. Hier verschmelzen eine ganze Menge Dufteindrücke eines orientalischen Basars. Herbe Wildrosen, Nelken, Kreuzkümmel, getrocknete Kräuter, Kumquats, ein wenig Kamillenblüte und Zimt. Am Gaumen gibt ihm der genial dosierte Grip eine richtig lässige Struktur und schiebt gleichzeitig so richtig an. Ein experimenteller Charakter, wohltuend puristisch und sehr hochwertig. Er macht sich super als Speisenbegleiter, wenn Schärfe und Umami im Spiel sind, passt vor allem zu Gerichten, die mit Süße spielen. „Ich finde ihn auch cool zur klassischen Rindssuppe“, gibt Hanna Glatzer als Tipp für eine unkonventionelle Kombo.

@Kalk&Kegel