2021 Grüner Veltliner Ried Grub 1ÖTW Kamptal DAC – Hirsch

Von Weitem und auf die Schnelle betrachtet, ist die Ried Grub genau das, was das Wort aussagt: Eine Kessellage, die wie eine Grube zwischen Heiligenstein, Lamm und Gaisberg liegt.

Das ist aber nur ein kleiner Teil des Ganzen. „Grub hat leider das Image eines etwas speckigen Veltliners. Damit bin ich natürlich überhaupt nicht glücklich“, sagt mir Hannes Hirsch, als wir über den Wein sprechen. Wer seine Kollektion kennt, weiß, dass sie von Schmalzigkeit weit entfernt ist. Auch der Grub. Der 2021er präsentiert sich nicht einmal ansatzweise üppig. Im Duft sind Wiesenkräuter, gelber Apfel und ganz leicht Zitrus. Der Wein ist überhaupt nicht steinobst-juicy, wie man es oft bei Löss-Veltlinern erlebt. Dafür hat er eine tiefgründige Struktur und ordentlichen Trinkfluss. Eine klasse Kombination. Dazu kommt ein genial knisterndes und doch balanciertes Säuregerüst. Mit Luft schiebt der Wein nochmal so richtig an. Karaffieren macht also Sinn. Fazit: Ein Grub-Veltliner, der mehr kann als das, was von ihm behauptet wird. Als Draufgabe dazu gibt es noch ordentlich Reifepotential.

Warum zeigt sich der Wein von Hannes Hirsch schlanker? Die Kessellage, umgeben von ihren prominenten Nachbarn, ist von drei Seiten windgeschützt und öffnet sich nach Südwesten. Die Rebstöcke können hier also so richtig viel Sonne tanken. Der kalkhaltige Boden hat die Konsistenz von lehmig-sandigem Schluff. Diese Löss-Schicht ist ziemlich dick und entsprechend fruchtbar. Darunter liegt die Zöbing Formation mit Sandstein. Bei diesen Voraussetzungen muss die Weingartenarbeit plus Ertragskontrolle sensibel angepackt werden. Hirsch macht das und sagt zudem: „Ich bin gerne in der Grub. Der Blick auf die umliegende Rebenlandschaft kann schon was.“ Die Biobewirtschaftung hilft zudem in Punkto natürlicher Balance. Essenziell ist auch die Wahl des richtigen Erntezeitpunktes. Wenn das alles aufeinander abgestimmt ist, kann die Riede richtig groß abliefern. Veltliner at its best.

2021 war ein großes, aber insgesamt eher kühles Jahr. Der Winter hat wechselhaft begonnen. Dann gab es die kältesten Monate April und Mai seit Jahrzehnten. Der Austrieb startete klarerweise spät, im Sommer war es aber dann so warm, dass sich der Erntebeginn wieder im normalen Durchschnitt bewegte. Bei der Lese herrschten kühle Morgenstunden, das Traubenmaterial kam in bester Qualität rein und aus Wettersicht gab es über Wochen keinen Druck. „Die Weine spiegeln das mit einer tollen Saftigkeit und Eleganz wie 2019 und der feinen Säurestruktur vom 2020er wider“, so Hirsch. Was bedeutet: Sie performen schon jetzt wirklich toll, taugen aber auch für die ganz lange Strecke.

Zum Schluss frage ich Hannes Hirsch, was sich aktuell am Weingut so tut. Er sei total happy, alles läuft rund. Aber da ist schon noch was, dass ihm auf der Seele brennt und er unbedingt loswerden will: „Ich bin ständig in Kontakt mit supertollen jungen Menschen in der Gastro und habe das Gefühl, es tut sich da richtig viel. Die Somms haben Lust auf die Arbeit, kennen sich extrem gut aus, wissen was sie wollen.“ Er mag den Spirit in der Szene und versteht nicht, dass daran gezweifelt wird. Word. Da rennt er auch bei mir offene Türen ein. Klar, manchmal ist es schwierig. Anstrengend und fordernd. So viel Lebensfreude, Genuss und spannende Begegnungen gibt es aber in keinem anderen Beruf.

@Kalk&Kegel