2023 Riesling Paragneis – Ilkerl Luf
Der Riesling Paragneis von Ilkerl-Luf passt aufgrund seiner zarten Restsüße nicht ins DAC-System. Im Herzen ist und bleibt er aber trotzdem ein waschechter Kremstaler.
Franz Ilkerl – der Fünfte – und sein Schwager Peter Luf sind ein kongeniales Team. Gemeinsam schupfen sie die Produktion des Familienbetriebes. Franz ist im Weingut am Kremser Rehberg aufgewachsen und kennt jeden Winkel; Peter, ein ausgebildeter Koch, bringt als Quereinsteiger einen offenen Geist und zudem den perfekten Gaumen mit. Ich kannte die Weine von Ilkerl-Luf bis vor kurzem noch nicht. Zu meiner Ehrenrettung: Sie wurden bisher hauptsächlich ab Hof oder über einige kleine Vinotheken vermarktet. Was sich aber jetzt im Weingut qualitativ tut, wird den Status Quo mit Sicherheit schnell ändern und den Weinen ihren Weg in Restaurants und Weinbars ebnen. Ich bin, nach dem Kosten des 2023 Riesling Paragneis, jedenfalls ziemlich angetan. Ein echter Geheimtipp.
Der Wein besitzt eine feine Rauchigkeit, duftet nach reifen Zitrusnoten, etwas grünem Apfel, einer Spur Marille und saftiger Ananas. Ganz schnell rinnt einem hier das Wasser im Mund zusammen. Mit Luft wird das Bukett noch mehr rauchig-würzig, erinnert an Feuerstein. Am Gaumen spielt der tänzelnde, vibrierende Charakter seinen vollen Charme aus. Seine anregende Art wirkt wie eine Vitaminspritze. Die Säure wirkt straff, pikant und ist in herrlicher Harmonie mit der feinen Restsüße, die dem Riesling während des Ausbaus geblieben ist. In einem Blindtasting ginge er locker als deutscher Riesling durch. Zwar nicht Richtung Mosel, als saftiger Pfälzer Kabinett jedenfalls.
Die Herkunft des Weins darf aufgrund seiner Restsüße nicht am Etikett angegeben werden. Das DAC-Reglement hat da klare Vorgaben. Die Ernte stammt jedenfalls von der Ried Kremsleithen, die sich direkt an die Stadt anschließt und süd-südwestlich ausgerichtet ist. Im Boden findet sich Paragneis und Glimmerschiefer. „Wir haben die Trauben al dente und ohne Botrytis gelesen“, sagt Neo-Winzer Peter Luf. Die ganze Erntemenge wurde angequetscht und nach sechs Stunden Standzeit gepresst. Der Wein vergor spontan im Stückfass (1.200 Liter). „Bei elf Gramm Restzucker hat er dann einen Gärstopp eingelegt. Wir haben überlegt, ob wir ihn mit Wärme animieren sollen, weiterzumachen. Geschmacklich waren wir aber so happy, dass wir es gelassen haben“, sagt Luf.
„Wir trinken selbst gerne hin und wieder mal einen Kabi, deshalb war die Entscheidung auch nicht schwer. Viel wichtiger als die Werte am Papier ist ohnehin, das im Wein alles zusammenpasst.“ In den folgenden Jahrgängen hat das Duo Ilkerl-Luf schon während des Jahres auf diesen Weinstil hingearbeitet. Der Riesling Paragneis mit seiner ganz feinen Restsüße im Bereich halbtrocken nimmt also künftig einen festen Platz im Portfolio ein. Diese Stilistik ist auch super im Wine&Food-Pairing. Peter Luf, als Koch nach wie vor auch für die Kulinarik im Heurigen des Weingutes zuständig, bereitet dazu beispielsweine etwas aus der süß-sauren Asia Küche zu: wie Mango-Papaya-Salat mit Thunfisch. Meine Alltime-Favorites zu Weinen in der Tonart sind Marillenstrudel, Rhabarbertarte oder Apfelradln.
@Kalk&Kegel