2021 Sauvignon Blanc Muri – Jaunegg

Jasmin und Daniel Jaunegg gehen mit großem Feingefühl und Ruhe an die Begleitung ihrer Weine heran. Dieser entspannte Zugang spiegelt sich auch im aktuellen Muri wider.

„Die Lage Muri liegt direkt vor unserer Haustüre. Sie ist da, wenn wir die Türe aufmachen oder aus dem Fenster schauen und bedeutet uns deshalb aus verschiedenen Blickwinkeln sehr viel“, sagt Daniel Jaunegg. Nach schier unendlichen Problemen bei der Prüfnummernvergabe hat sich das Winzercouple jedoch entschlossen, die Lage aus der Rieden Erfassung herauszunehmen und dafür als Marke schützen zu lassen. Das ist möglich, weil Jaunegg dort den Alleinbesitz hat. Muri ist somit im eigentlichen Sinn eine Monopollage. Jaunegg Fans wissen das. Diejenigen, die einen der Muri Weine zum ersten Mal kosten, wollen spätestens dann erfahren, was dahintersteckt.

Die kesselförmige Anlage umfasst vier Hektar Weingärten, liegt auf 550 Metern Seehöhe, spannt sich von Südost nach Südwest und ist komplett vom Wald umgeben. Der schützt nicht nur vor Frost, sondern hält auch starken Wind ab. Die nahe Koralm steuert dem Terroir die nötige Frische während der Vegetationszeit bei. Im Boden dominieren Sand, Schotter und Verwitterungsgestein. Der Einsatz von Maschinen wird so gering wie möglich gehalten. Einen Teil der Bodenbearbeitung übernimmt deshalb eine Schafherde. Als Vorteil erweist sich zudem die Tatsache, keine Nachbarn zu haben. Denn die könnten die Bewirtschaftung mitunter anders angehen und so das Ökosystem beeinträchtigen. Bei Jaunegg wird schon länger biodynamisch gearbeitet; seit 2025 mit DEMETER-Siegel.

Die Weine vom Muri sind mir über die Jahre bei Verkostungen richtig ans Herz gewachsen. Zum einen, weil sie im Blindtasting immer durch ihre eigenständige, sympathische Persönlichkeit auffallen. Und: Sie sind schlicht und einfach sehr, sehr gut. Im 2021er äußert sich das mit einem gelbfruchtigen Duft von Pfirsich und etwas Bergamotte. Dazu kommen Zitronengras, Kräuternoten und grüner Tee. Das alles aber mit ganz feiner Klinge. Am Gaumen ist der Wein superelegant, hat einen tollen Zug, vibrierende Säure und eine, durch seinen genialen Grip getragene Struktur. Im Finale ist schier unendliche Länge. Der Sauvignon Blanc Muri haut zu keinem Moment auf die Pauke, hat dafür aber umso mehr zu sagen. Ein fast stiller Wein mit Tiefgang für besondere Momente.

„2021 ist ein herausragender Jahrgang und erinnert mich an 2017“, erzählt Daniel Jaunegg. Da braucht es im Keller nur eine ganz reduzierte Begleitung. Was heißt: Ganztraubenpressung, Vergärung im Stahl und eine lange Reife auf der Hefe. Die einzige Schwefelgabe bekam der Wein kurz vor der Füllung. Jaunegg mag, wenn Gutes entsteht. Nicht nur in seinem Weingut. Deshalb hat er einen Monat in der Küche von Christian Winklers Restaurant im Tiroler Rattenberg mitgearbeitet. Klarerweise frage ich noch, was er zum Muri kochen würde. „Mir taugt der 2021er momentan total. Fisch und Meeresfrüchte passen richtig gut. Bei Christian Winkler haben wir ein Gericht mit Kaisergranat dazu kombiniert“, so Jaunegg. Was ihm noch vom Abstecher in die Gastro bleibt, ist eine riesige Hochachtung vor der Leistung der Menschen, die für ihre Gäste täglich das Allerbeste geben.

@Kalk&Kegel