2022 Riesling Ried Heiligenstein-Steinwand 1ÖTW Kamptal DAC – Jurtschitsch

Die Steinwand innerhalb der Ried Heiligenstein ist ein besonderes Terroir. Ihre Einzigartigkeit ist dem Riesling von Stefanie und Alwin Jurtschitsch deutlich anzuschmecken.

Eins vorweg, der Heiligenstein-Steinwand ist kein Schmuse-Riesling. Die terrassierte und so richtig steile Lage hat einzigartige Terroir-Voraussetzungen. Sie liegt im nordwestlichen Teil des Heiligensteins und ist enorm karg. Das prägt natürlich den Wein. „Als ich in den Betrieb eingestiegen bin, war die Steinwand mein erstes Projekt. Meine Eltern haben damals nur den Kopf geschüttelt und gefragt, warum ich mir die irre Arbeit antue“, erzählt Alwin Jurtschitsch von seinen Anfängen. Er hat dort ein verwildertes Filetstück gekauft und mit Reben in Dichtpflanzung rekultiviert. Nach und nach wurden ihm rechts und links davon weitere Parzellen angeboten. Heute bewirtschaftet er 1,5 Hektar in der Steinwand als Permakultur. Zu dem Zweck hat er auch das Aufbauen von Trockensteinmauern gelernt.

In Zusammenarbeit mit Slow Food ist über die Jahre zudem weiters passiert. Es gibt wieder Bäume mit Weingartenpfirsich, Quitten und Kirschen. „Es ist aber nach wie vor harte Arbeit. Der Traktor kann hier nicht fahren. Es muss alles in Manpower, teilweise mit Hilfe von Pferden, erledigt werden. Manchmal lassen wir uns von einer Drohne beim Ausbringen von Komposttee helfen“, sagt Jurtschitsch. Die Steinwand bezeichnet er als sein intensivstes, teuerstes Hobby. Es gibt aber auch viel Entschädigung für die Mühen. Der Platz ganz oben ist magisch, der Sonnenuntergang unglaublich. Heute flattert wieder der seltene Osterluzeifalter umher, der nur hier seine Nahrung findet. Außerdem existiert ein Herbarium mit mehr als 200 verschiedenen Pflanzen.

Die wertvolle Ernte der teilweise sehr alten Rebstöcke wird ganztraubengepresst und über zwei Jahre mit großer Ruhe im 1.000 Liter Holzfass ausgebaut. Der Duft präsentiert sich mit einer wundervoll facettenreichen Zitrusfrucht. Dazu kommt ein zarter rauchiger Touch. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck. Achtung: Speichelfluss-Alarm. Am Gaumen ist der Wein messerscharf und präzise. Einfach richtig viel Riesling. Hätte ich ihn blind ins Glas bekommen, wäre ich nie und nimmer auf den doch etwas wärmeren Jahrgang 2022 gekommen. Die Energie und Spannung nehmen mit Luft und Zeit im großen Glas sogar noch ein Zacken Fahrt auf. Umfüllen in eine Karaffe ist sicher momentan kein Fehler.

Wer Lust hat weiter ins Heiligenstein-Riesling-Universum einzutauchen, sollte die Steinwand mit ihrem engmaschigen, straffen Ausdruck unbedingt parallel zum Rotfels der Jurtschitschs kosten. Dieser Teil des Heiligensteins liegt auf der Ostseite, hat mehr Lehm im Boden und ein kleines Plus mehr an Wärme. Der Rotfels kommt genauso facettenreich wie die Steinwand daher, ist aber doch eine Spur mehr juicy. Also unbedingt testen und der Terroir-Stimme lauschen!

@Kalk&Kegel