NV Alte Reben weiß – Krenn49

Auf diese Burgundercuvée setzen Barbara und Josef Krenn mittlerweile seit zehn Jahren. Ihre aktuelle Version ist ein Non-Vintage und überzeugt auf der ganzen Linie.

Der Wein Alten Reben weiß spiegelt die Entwicklung am Weingut Krenn49 ziemlich gut wider. Früher hieß er Ried Langedel, war fülliger und aromatisch stärker geprägt durch den Ausbau im Holz. Mit der Umstellung auf biologische Wirtschaftsweise im Jahr 2016 hat sich auch die Vinifikation signifikant verändert. Heute keltert das Paar in einem viel leichtfüßigeren und frischeren Stil. Josef Krenn nennt das – freilich mit einem Augenzwinkern – braver Naturwein. Und: Mehr Burgund, weniger weißer Bordeaux. Freakiges wird es aus seinem Keller aber nie geben. „Ich war zu Beginn noch ziemlich von dem beeinflusst, was ich auf der Weinbauschule gelernt hatte. Jetzt versuche ich nur dann einzugreifen, wenn es notwendig ist. Das bringt viel mehr Herkunftstypizität“, sagt er.

In der Anfangszeit wurde, speziell bei Weinen wie den Alten Reben weiß, die Hefe im Fass aufgerührt, um viel Cremigkeit zu bekommen. Heute regiert der Ausdruck des Weingartens. Salzige Noten und Mineralität von Schiefer und Quarzit. Zum Terroir: Das Weingut liegt oberhalb von Feldbach in einer der vielen kleinen Weininseln des Vulkanlands. Dort bewirtschaften die Krenns 4,5 Hektar, die rund um den Betrieb liegen. Dazu gehört übrigens auch ein unschlagbar gutes, liebevoll geführtes Bistro. Den Hof haben in den 1960er Jahren die Großeltern von Josef Krenn aufgebaut. Er erzählt: „Der Opa hat die Stöcke für die Alten Reben weiß und rot ausgepflanzt. Das war 1978. Die Böden sind fruchtbarer Tonmergel, in einer Tiefe von etwa drei Metern trifft man auf die Mineralgestein.“

Alte Reben weiß besteht zu 60 Prozent aus Weißburgunder, der Rest ist Chardonnay. Ausgebaut wird mehrheitlich im Startin, dem klassischen 600 Liter Holzfass der Steiermark. Viel Ruhe während der Reifung im Keller sind genauso wichtig, wie eine lange, ruhige Zeitspanne auf der Hefe. Der aktuelle Wein setzt sich aus zwei Jahrgängen zusammen, die gegensätzlicher nicht sein könnten: 2020 (milde Säure, stoffig im Alkohol) und 2021 (leichtfüßiger, anregender Charakter). Als Einheit sind sie top. „Es ist mit 20 Euro unser teuerster Wein, da muss wirklich alles passen. Die beiden Jahrgänge einzeln waren nicht das, was ich mir vorstelle. Zusammen passen sie aber richtig gut“, sagt Josef Krenn.

Für mich ist der Wein voll Dynamik und Leben. Er duftet nach reifer Zitrusfrucht, gelbem Apfel, einem ganz feinen Hauch von Butterkeksen, Curry und gerösteten Haselnüssen. Am Gaumen druckvoll, entfaltet sich mit Luft sein burgundischer Ausdruck Schritt für Schritt. Karaffieren und ein großes Glas sind zum jetzigen Zeitpunkt ideal. Die Säure stützt und energetisiert den Wein, der erst am Anfang seiner Trinkreife steht. Im Finale gibt es eine präsente Salzigkeit. Die Alten Reben sind komplex, ausdrucksstark und doch bescheiden. Genauso wie die beiden Menschen, die dahinterstehen.

@Kalk&Kegel