2022 Roter Veltliner Reynisfjara – Lukas Strobl
Roter Veltliner und der Wagram gehören einfach zusammen. Ein perfektes Dreiergespann wird es, wenn Lukas Strobl als Weinmacher ins Spiel kommt.
Beim Blick auf das Etikett von Lukas Strobls Rotem Veltliner taucht unweigerlich die Frage auf: Rey… was? To be honest – ich habe es auch nicht gewusst, mich aber auf die Suche gemacht. Reynisfjara ist ein Strand von wildromantischer, fast dramatischer Schönheit im Süden von Island. Bekannt ist er für seine donnernden und auch ziemlich gefährlichen Wellen, den schwarzen Sand aus vulkanischem Ursprung und die spitz auf dem Meer aufragenden Basaltsäulen. Die im Internet kursierenden Fotos sind spektakulär. Ein Paradies für Fotografen und Selfie-Jäger. Wer in Island ist, sollte ihn jedenfalls gesehen haben. Das sagt auch Lukas Strobl. Er war auf einer Reise dort und klarerweise fasziniert.
Aber was hat der Strand mit dem Wein zu tun? Der Name nimmt Bezug auf den Wogenrain – so hieß der Wagram früher. Vor Jahrmillionen brandeten hier die Wellen des Urmeers an das Ufer, wo heute Rebstöcke wurzeln. Die kleine Kollektion von Lukas Strobl, mit Ausnahme der Basis-Cuvée Lust & Laune ist deshalb nach außergewöhnlichen Küstenabschnitten benannt. Ein Hinweis auf Charakterstärke und Einzigartigkeit. Der Rote Veltliner Reynisfjara ist ihm dabei besonders nah am Herz. Die autochthone Rebsorte erlebt am Wagram gerade eine sanfte Wiederentdeckung. Strobls Trauben für den Reynisfjara stehen in der Ried Hengstberg westlich von Gösing.
„Der Weingarten liegt auf der kargeren, steinigen Seite des Hangs. Reynisfjara ist deshalb auch nicht so üppig und schmalzig, wie manche anderen Weine vom Hengstberg“, erzählt Strobl. Im Duft positioniert er sich eindeutig als Roter Veltliner. Was heißt: satte gelbe Frucht – reifer Pfirsich und saftige Orange – trifft auf würzige Noten. Darunter Pfeffer, Muskatblüte und reichlich Safran. Akazienhonig steuert eine feine süße Anmutung bei. Im Mund spiegelt sich die Aromatik nahezu deckungsgleich wider. Der Wein ist stoffig strukturiert, wirkt aber durch seine lebendige Säure zu keinem Moment mollig. Der moderate Alkoholgehalt macht das Ganze zudem sympathisch. Fazit: Ein Musterbeispiel für den Wagram und die Rebsorte.
Durch eine zurückgenommene Vinifikation entlockt Strobl dem Roten Veltliner so viel Authentizität wie möglich. Die ganzen, leicht angequetschten Trauben machen eine kurze, aber wichtige Standzeit vor dem Pressen. Das ist bei dieser Rebsorte essenziell. Währenddessen kann das Pektin in den Beeren, die so fest wie Speisetrauben sind, aufgeschlossen werden. Das verholzte Stielgerüst dient zudem als Drainage. Ohne diese Maßnahmen wäre der Pressvorgang beim Roten Veltliner ein Herkulesaufgabe. Vergoren und gereift wird im neutralen Holz. Der Wein kommt unfiltriert mit einer geringen Schwefeldosis in die Flasche. Vom 2022er gibt es übrigens nur ein 225-Liter Fass, also 300 Flaschen. Wer Lust auf so richtig viel Wagram hat, muss schnell sein. Für alle die es nicht schaffen: 2023, bei dem die Menge ein wenig größer ausgefallen ist, steht schon in den Startlöchern.
@Kalk&Kegel