2024 Roter Veltliner Ried Reisenthal – Mantlerhof
Wenn eine Rebsorte Teil der Familien-DNA ist, muss besondere Leidenschaft dahinterstecken. Die Mantlers sind seit über 100 Jahren eng mit dem Roten Veltliner verbunden.
„Der Rote Veltliner ist identitätsstiftend für uns“, sagt Josef Mantler, der mit seiner Schwester Agnes das Weingut Mantlerhof führt. Mittlerweile fast hundert Jahre beschäftigt sich die Familie mit der Rebsorte, die ihnen quasi in Fleisch und Blut übergegangen ist. Seit 1955 wird in der Ried Reisenthal das Rebmaterial für den speziellen Mantler-Klon herausselektioniert. Er ist die Basis dessen, womit heute viele Rote Veltliner Weingärten in Österreich bepflanzt sind. Ehemals war er nahezu komplett verschwunden. Vor allem in der Zeit, wo der Wunsch nach Menge den qualitativen Anspruch überholt hatte. Seit einer Weile ist er zurück. Es ist den Mantlers zu einem gewichtigen Teil zu verdanken, dass die Sorte mit ihren zart rötlichen bis lilafarbenen Beerenschalen wieder eine Renaissance erleben kann. Denn sie haben immer die an die Eigenständigkeit und Klasse der Weine geglaubt.
Die Ried Reisenthal als Home of Roter Veltliner hat im Herz des Weinguts immer einen besonderen Platz. Josef Mantler: „Es ist ein wunderschöner Ort. Die Rebzeilen verlaufen so, dass man bei der Arbeit einen herrlichen Blick auf das Stift Göttweig hat.“ Die Stöcke dort wurden über die Zeit immer wieder erneuert. Heute haben sie ein Alter von 20 bis 35 Jahren und der Weingarten steht prachtvoll da. Mit der Ernte des Roten Veltliners macht es sich die Familie nicht leicht. Oft sind drei oder sogar vier Lesegänge notwendig, bis alles vollständig abgeerntet ist. Dabei hat jeder Lesehelfer zwei Eimer – einen für die gesunden, vollreifen Beeren und den zweiten für gute Botrytis.
„Wir sind ein Botrytis affiner Betrieb. Aber es ist notwendig im Weingarten ganz genau zu selektieren. Wir verwenden beide Teile der Lese in der Assemblage. Weil wir die Weingärten mehrmals über eine längere Zeitspanne verteilt durchernten, können wir alle Facetten der Rebsorte für den späteren Wein einfangen. Die Mühe zahlt sich aus“, erzählt Mantler. Im Keller wird minimalistisch gearbeitet. Schwefel als Stabilisator und Bentonit um Trübungen im Wein zu vermeiden, sind die einzigen Hilfsmittel. Das Pressen der ganzen Trauben verläuft sanft und über sechs Stunden. Die reifen Stiele sind als Drainage der Beeren wertvoll. Ausgebaut wird im Edelstahl.
Mir gefällt am 2024 Ried Reisenthal seine herrlich klare Kräuterwürze. Dazu kommt facettenreiche gelbe Frucht und Blütenhonig. Was am Gaumen zuerst auffällt, ist die Leichtigkeit und Frische des Weins. Seine feine Säure ist in perfekter Harmonie mit der zarten Restsüße. Hier ist wirklich alles in Balance. Am besten kommt er in einem schlanken Universalglas zur Geltung und an der Seite von würzigem Essen. „Mir taugt er zur Szechuanküche oder zum gekochten Rindfleisch mit viel Apfelkren. Wenn es gebackene Parasolpilze gibt, machen wir uns auch einen Roten Veltliner auf“, sagt Josef Mantler. Die heimische Weißwein-Ikone ist also zudem ein echter Tipp fürs Wine&Food-Pairing.
@Kalk&Kegel