2023 Down to Earth Concrete – Michaela Riedmüller

Michaela Riedmüller baut ihren Welschriesling im Betonei aus. Ohne starres Konzept kann er sich dort unterstützt durch den goldenen Schnitt des Eis in Ruhe entwickeln.

Um die globale Weinwelt besser zu verstehen, hat sich Michaela Riedmüller auf den Weg in die Welt gemacht. Sie landete unter anderem in Südafrika beim biodynamischen Weingut Waterkloof in Sommerset West. Ich habe den Betrieb selbst auch schon besucht und war beeindruckt von den Weinhängen, die sich wenige Kilometer von der False Bay entfernt ganz oben am Berg befinden. Die Stimmung und der Blick über die Reben Richtung Meer sind hinreißend. Ein tolles Restaurant, in Südafrika den Wineries oft angeschlossen, gibt es zudem. Bewirtschaftet werden die Weingärten mit weißen, schweren Arbeitspferden, im Keller herrscht Minimalismus. Gefühlt unendlich viele Betoneier reihen sich aneinander. Hier reifen die unangepassten, aber trotzdem nicht zu schrägen Weine. „Mich hat das alles sehr beeindruckt und inspiriert“, sagt auch die Carnuntumerin.

Wieder daheim in ihrem Weingut in Hainburg, hat sie sofort Betoneier angeschafft. „In Südafrika fand ich vor allem den Chenin Blanc aus dem Gebinde faszinierend. Ich habe überlegt, welche Rebsorte bei mir als Pendant dazu wächst und bin dann ganz schnell auf den Welschriesling gekommen. Der transportiert die Mineralität des Terroirs wirklich toll in den Wein und hat dazu auch eine richtig gute Säure“, erzählt sie weiter. Riedmüller hat ihre Welschriesling Reben in der Ried Braunsberg auf kalkhaltigem Löss stehen. Die Lage ist ihr größtes, wertvollstes Kapital.

Je nach Jahrgang passt sie die Arbeit im Keller sensibel an. 2023, nach dem üppigen 22er etwas schlanker im Ausdruck, wurden die Trauben gerebelt. Eine Nacht blieben die Beeren stehen, bevor sie in die Presse kamen und ausschließlich der Seihmost direkt in zwei Betoneier geleitet wurde. Mit dazu gab die Winzerin ganze, leicht angequetschte Welschriesling Trauben von vier Rebstöcken. Die blieben über die komplette Zeit bis zur Füllung dort. Durch die Maßnahme entsteht ein feiner, stützender Gerbstoff, der nicht so stark auf die Pauke haut, wie bei einer Maischegärung. Einfluss auf die Weinwerdung hat zudem der goldene Schnitt des Betoneis. Er unterstützt das freie Zirkulieren im Ei. Durch den natürlich gebundenen Sauerstoff steigt die Flüssigkeit vom unteren Teil permanent auf. „Die Lebendigkeit im Betonei bringt eine schönere Vergärung im Vergleich zum Stahl oder Holz. Seine steinige Note gibt der Werkstoff zudem ganz zart an den Wein ab“, erklärt Michaela Riedmüller.

Meine Notizen zu ihrem 2023 Concrete: Im Duft ist er völlig losgelöst von jeglicher Konvention, hat einen ganz leichten flinty Touch und eine kraftvolle wilde Würze, wie Garrique – Rosmarin, Majoran und Bohnenkraut. Earl Grey Tee und fleischige Noten kommen mit der Zeit im großen Glas noch dazu. Im Mund spiegelt sich die Leichtigkeit des Jahrgangs wider. Es gibt außerdem viel Salzigkeit und Spannung. Dieser Welschriesling ist ein freier, genialer Geist und ein Wildfang, der sich nicht um Konventionen schert, sondern einfach ist wie er ist. Mutig und frei wie Ronja Räubertocher.

@Kalk&Kegel