2022 Blaufränkisch Ried Poschen Leithaberg DAC – Nehrer

Die Ried Poschen liegt Johannes Nehrer besonders nah am Herzen. Es ist der Weingarten, der schon am längsten im Besitz seiner Familie ist. Sein Seelen-Terroir.

1670 scheint erstmals einer der Vorfahren von Johannes Nehrer als Eigentümer in der Ried Poschen auf. Heute hält seine Familie ein Viertel der Fläche dort. Der direkte Nachbar ist Krainer, eine weitere wichtige Lage im Nehrer Portfolio. Genaugenommen gilt Poschen als Subriede des Krainer. Der Boden unterscheidet die beiden aber. Die Reben wurzeln hier in Lehmböden mit Schiefer. „Anders als beim Kalk ist der Blaufränkisch vom Schiefer immer puristischer, erdiger und geradliniger“, meint Johannes Nehrer. Seine Rebstöcke im Poschen wurden zwischen den 1970er und 2000er Jahren gepflanzt. Die Süd-Ost-Lage hängt leicht Richtung Westen und profitiert daher den ganzen Tag von der Sonne. Das gibt dem Wein eine dichte und eindringliche Struktur.

Diese Exposition kann in heißen Jahren durchaus auch zur Herausforderung werden. Wie 2022. „Wir haben im Frühling schon ohne Winterfeuchtigkeit begonnen. Die weitere Vegetation war genauso trocken und heiß dazu“, erzählt Nehrer über den Jahresverlauf. Manche Weine hatten Gärprobleme, weil durch das Fehlen der Feuchtigkeit Nährstoffe, die für das natürliche Arbeiten der Hefen essenziell sind, nicht da waren. Bei den Nehrers ging es gottseidank glatt und am Ende gab es trotz Hitze auch wenig Säureverlust. Die Weine sind geradlinig, vielleicht ein wenig mehr juicy als 2021. Das kann durchaus aber auch seinen Reiz haben. „Der Poschen hat uns positiv überrascht“, so der Winzer.

Die Trauben wurden per Hand geerntet, eingemaischt und in einem Holzgärständer vergoren, den Nehrer in diesem Jahr extra für die Ernte des Poschen angeschafft hatte. Während der Gärung hat er nur sanft händisch untergestoßen, um die Tannine nicht zu intensiv auszulaugen. Von der Presse weg wurde ausschließlich verwendet, was frei ablief. Der junge Wein wanderte in vier gebrauchte 500 Liter Holzfässer und blieb dort 18 Monate in Kontakt mit der Hefe. Umgezogen wurde in der gesamten Zeit lediglich einmal. „Da hatte ich das Gefühlt, es tut sich was in Richtung Reduktion. Mit dem Belüften hat sich das aber erledigt“, so Nehrer. Nach zwei Jahren Reife im Fass wurde gefüllt.

Mir gefällt der dynamische, dunkelbeerige Duft des Blaufränkers sehr. Da ist Blaues, vor allem Heidelbeeren, aber auch Kirsche und etwas Schlehe. Mit der Zeit im Glas mischt sich eine feine, fast erdige Würzigkeit und etwas Grafit dazu. Der Wein ist ein echtes Prachtexemplar, präsentiert sich stoffig wie elegant. Mit seinem enormen Tiefgang, dem dichten, aber balancierten Gerbstoff wird er sich lange seine Jugendlichkeit erhalten. In der aktuellen Fruchtphase lässt er sich bereits jetzt schon wirklich gut trinken. Dekantieren schadet aber nie. Wer dem Wein Luft gibt, bekommt richtig viel Leithaberg ins Glas. Und das vom Allerfeinsten. Leider gibt es lediglich 1.500 Flaschen. Hurry up!

@Kalk&Kegel