2023 Furmint Ried Tannenberg – Nittnaus
Furmint hat eine lange, durchaus wechselhafte Geschichte im Burgenland. Gleichzeitig gilt sie als eine der Zukunftsrebsorten. Die Familie Nittnaus keltert daraus richtig lässigen Wein.
Es war wieder einmal der Visionär John Nittnaus, der den richtigen Riecher hatte. Seit einer Reise ins Tokaij ist er entflammt für den Furmint. Klar kannte er die Sorte schon lange vorher, aber die trockenen Weine, die er in Ungarn gekostet hat, haben ihn dann so richtig abgeholt. Die Sorte ist ein wenig wie Blaufränkisch, aber halt in Weiß. Sie reift spät, hat eine prägnante Säure und einen eigenständigen Charakter. Und sie gilt als Zukunftshoffnung. Stichwort Klimawandel. Also Zeit für eine Furmint-Renaissance im Burgenland.
2018 wurde eine Parzelle im Tannenberg, westlich von Jois und an der Nordseite des Jungenberg gelegen, mit der Sorte bepflanzt. Hier finden sich vertikal angeordnete Glimmerschieferplatten mit vielen Quarzit-Einschlüssen. Ein Terroir, wie geschaffen für den Furmint, dessen Rebstöcke sich hier durchaus auch ein wenig plagen müssen. Die Riede ist schon lange bekannt für ihre markanten, rauchig-würzigen Blaufränker. Ein Blue-Chip in der Kollektion des Weingutes Nittnaus. Mit dem Jahrgang 2023 kommt nun durch den Furmint eine echte Ansage in Weiß dazu. 2021 wie 2022 wurde nur je eine Minimenge heimgebracht. Knapp 2000 Flaschen waren es dann im Folgejahr. Und: Der Wein zeigt jetzt in seiner Jugend schon, dass mit ihm zu rechnen ist.
Der Furmint ist optisch klar. „Eine bewusste Entscheidung, weil wir ihn mit dem Riedennamen etikettieren wollen. Dafür brauchen wir natürlich die Prüfnummer“, erklärt Lydia Nittnaus. Sie und ihr Onkel John sind übrigens seit einiger Zeit Teil der Kostkommission für die Qualitätsweinprüfung im Gebiet Leithaberg DAC. Sie setzt sich mittlerweile und sinnvollerweise aus Winzer:innen der Region zusammen. Es werden seitdem nicht leichtfertig Weine durchgewunken, aber viel mehr wie zuvor auf den Herkunftsausdruck geachtet. Eigenständiges hat so nun auch die Chance auf eine Nummer.
Ich habe den Furmint aus einem großen Bordeauxglas über Stunden gekostet. Der Youngster macht mit der Zeit so richtig auf. Wer ungeduldig ist, sollte also in jedem Fall zur Karaffe greifen. Sein Duft ist rauchig und würzig geprägt. Zitruszesten, etwas Quitte, rotbackiger Apfel sind ebenso präsent, wie Linden- und Kamillenblüte. Am Gaumen beeindruckt die Spannung des Weins, sein energischer Zug und die richtig anregende Säurestruktur. Was sich anschließend beim Blick auf das Weindatenblatt als überraschend herausstellt. Der Säurewert liegt laut Messung „nur“ bei 5,6 Gramm. Das beweist erneut, dass das, was am Papier steht, nicht immer allzuviel sagt.
Mein Fazit: Der Furmint Ried Tannenberg ist eine echte Entdeckung. Er hat ordentlich Muskeln und kein Gramm Speck auf den Rippen, sondern genau die richtigen Proportionen. Gratulation an Lydia, Andreas und Martin Nittnaus, die den Weißwein in ihrem Betrieb auf Dauer noch mehr etablieren wollen.
@Kalk&Kegel