2021 Blaufränkisch Ried Goldberg Leithaberg DAC – Prieler
Prielers Blaufränkisch Goldberg gehört zu den ganz großen Rotweinklassikern Österreichs. Seine Strahlkraft ist enorm, die Qualität seit dem ersten Jahrgang 1989 unschlagbar.
Die Lage Goldberg ist keine Unbekannte in Österreich. Die Suchanfrage auf Riedenkarten.at ergibt insgesamt 33 Treffer. Meist steht sie für den wertvollsten Weingarten im Ort. Die Bezeichnung Gold kommt also nicht von ungefähr. Bekannt sind der Deutschkreutzer, Golser oder Kremser Goldberg. Und natürlich die Kult-Lage am Schützner Berg, wo die Familie Prieler ihren Blaufränkisch stehen hat. Gepflanzt wurde er von Georgs Eltern 1972. Heute sind die Rebstöcke also echte Vieille Vignes. Besonders ist der Glimmerschiefer im Boden. „Wenn ich in meiner Kindheit im Herbst zum Helfen im Goldberg war und meine Finger kalt wurden, hab ich einen Schieferstein in die Hand genommen. Das hat gutgetan. Die Steine speichern die Wärme super und haben tolle Energie“, erzählt Georg Prieler.
Goldberg ist nordwestlich ausgerichtet, aber eigentlich ein Hochplateau, wo den ganzen Tag die Sonne scheint. Der Boden ist warm. Durch die kühle Thermik, in der vom See abgewandten Lage, entsteht ein Warm-Kalt-Kontrast, der den Weincharakter prägt. Der Schiefer gibt ihm seinen feinen Gerbstoff. „Ich mag das sehr. Viele große Rotweine haben eine ähnliche Tanninstruktur. Beispielsweise im Piemont oder an der nördlichen Rhône. Der Gerbstoff wirkt eher wie der von Tee als von Schokolade“, sagt Prieler. Der Blaufränkisch Goldberg war in seinem Weingut schon immer das Flaggschiff. Auch in einer Zeit, als Cuvées nach Bordeaux-Vorbild überall die Hitlisten stürmten.
Und 2021? Ein Bilderbuchjahrgang, pannonisch und von den Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht geprägt. Der Blaufränkisch vom Goldberg wurde nach der Handlese entrappt und die ganzen, ungequetschten Beeren anschließend über ein Sortierband geschickt. Nur die gesunden, mittelgroßen Früchte hat Georg Prieler danach im Edelstahlbottich vergoren. Zu Beginn wurde hier und da untergestoßen, die Maische in der Folge dann aber nur noch überflutet, um sich feucht zu halten. Stichwort: sanfte Mazeration. Nach dem Pressen reifte der noch junge Wein bis kurz vor der Füllung im Holzfass. Seit den frühen 2000er Jahren werden für den Goldberg sukzessive größere Gebinde verwendet. Seit 2015 wird mit 1.200 Liter Stockinger Fässern gearbeitet.
Ich kenne und verfolge die Evolution des Goldberg eigentlich seit Beginn an. Der Stil des Weins hat sich über die rund 35 Jahre ganz ruhig und im Einklang mit dem Zeitgeist entwickelt. Im Herzen ist er aber immer ein echter, unverkennbarer und authentischer Prieler geblieben. Das ist große Kunst. Heute mündet das in minimaler Konzentration, großer Eleganz und kaum spürbarer Holzwürze. Der 2021 leuchtet wie rubinrot-violetter Samt und duftet nach dunkler Herzkirsche, Brombeere und Heidelbeere. Zudem hat er tintige Anklänge, eine Spur Lakritze und Graphitnoten. Am Gaumen ist da unheimlich viel Blaufränkisch mit eindringlicher Struktur und einer Bomben-Spannung. Dazu kommt ein ordentliches Maß an Tannin. Aber von der feinen, balancierten Sorte. Der Nachhall ist schier unendlich. Ein großartiger Rotwein, der einmal getrunken, ganz lange in Erinnerung bleibt.
@Kalk&Kegel