2022 Sauvignon Blanc – Rabusella
Das Weingut von Lukas Tscheppe ist ein Mikrokosmos in sich. Bei den Weinen liegt sein Fokus auf einem Sich-Nicht-Verbiegen-Müssen. Der 2022 Sauvignon Blanc punktet zudem mit sonnigem Gemüt.
Wer Lukas Tscheppe in einer der stillen Ecken der Südsteiermark besucht, bekommt einen Eindruck von der Kraft der Natur, die sich in seinen Weinen widerspiegelt. Die Weingärten liegen direkt rund ums Haus und den Keller. Geschäftiges Treiben sucht man hier vergebens. Außer, die entzückenden Kamerunschafe sind gerade zum Mähen und Düngen zwischen den Weingartenzeilen unterwegs. In diesem besonderen Terroir gibt es noch ursprüngliche Vegetation und die Rebstöcke können sich mithilfe der Hochstammerziehung ganz entspannt über das Jahr entfalten. Für den Winzer, der die Anlagen gemeinsam mit seiner Mutter pflegt, ist das ein ordentliches Mehr an Arbeit. „Die Rebe ist eine Kletterpflanze. Ich will ihr ermöglichen, sich ganz natürlich zu entfalten“, meint er. Good to know: Rabusella ist keine kreative Phantasiebezeichnung, sondern der Vulgoname des Betriebes.
Konglomerat und feiner Flusskies prägen den leichten und sandigen Boden des Terroirs. „Der Jahrgang 2022 war für mich top. Die beste Qualität habe ich in den kargsten Weingärten geerntet“, sagt Tscheppe. Der Sauvignon Blanc passt für ihn genial zu den Voraussetzungen seiner Heimat. Den 2022er Wein ließ er rund zwei Wochen auf der Maische gären. Nach dem Pressen kam er in gebrauchte Holzfässer unterschiedlicher Größe – von klein bis 700 Liter. Für ein Jahr blieb er dort, konnte zu Ende gären und sich ohne Additive in Ruhe finden. Zwei Wochen vor der Füllung wurde abgezogen. Unfiltriert, aber nahezu blank durch die natürliche Klärung während der Reife ging es für den Wein in die Flasche. „Ich fülle ganz spartanisch von Hand. Wegen des Sauerstoffeintrags dabei brauche ich zum Abschluss eine ganz minimale Dosis Schwefel“, erklärt Lukas Tscheppe.
Mich holt sein entspannter und lebensfroher Wein komplett ab. Im großen Glas und bei nicht weniger als 12 bis 14 Grad spielt er seine Stärken am allerbesten aus. Im Duft zeigt er zuerst zarte rauchige Noten, eine feine Kräuterwürze, Blutorange, Kumquats und reife Marille. Danach mischen sich unterschiedlichste würzige Komponenten dazu. Nelken, Sternanis, Kreuzkümmel und etwas Senfsaat. Am Gaumen strahlt der sonnige und gleichzeitig erdverbundene Charakter des Sauvignon Blanc. Herrlich entspannt ist die saftige, trinkfreudige Struktur und der gut eingebundene Grip. Wer die Möglichkeit hat, sollte den Wein unbedingt in eine Karaffe umgießen. Zudem hat er große Qualität als universeller Speisenbegleiter. Ich habe ihn zu einem Stück ziemlich salzigen Pecorino probiert. Genial.
„Die Rebsorte Sauvignon Blanc ist sehr wichtig im Betrieb. 2019 war mein erster Jahrgang“ erzählt Lukas Tscheppe. Seitdem entwickelt er seinen ganz eigenen Stil weiter. Was unter anderem bedeutet, dass er Stück für Stück von der Maischegärung weggeht. „Tolle Weine mit 100 Prozent Maische sind sehr schwierig“, sagt er. Dabei meint er nicht nur das Entstehen, sondern auch die Akzeptanz im Sinne der Wertigkeit des fertigen Weins. „2023 habe ich den Sauvignon Blanc wie die Jahre davor nochmal komplett auf der Maische vergoren. 2024 waren es nur zwei Drittel und mit 2025 noch einmal um einiges weniger. Eine gute Portion Gerbstoff braucht es aber schon für die Tiefe und Spannung finde ich“, erklärt der Winzer mit großem Gespür für authentische Weine.
@Kalk&Kegel