2021 Riesling Handwerk Spätfüllung – Sommer
Riesling aus dem Burgenland? Rund um Donnerskirchen läuft er sogar zur Hochform auf. Das Terroir ist ideal, die Weine haben tolle Frucht, sind elegant und doch pannonisch geprägt.
„Um ehrlich zu sein, der Riesling war nicht gleich meine Herzensangelegenheit, als ich in den Betrieb eingestiegen bin“, sagt Leo Sommer. Die Rebsorte ist aber mit dem Weingut und dem Ort Donnerskirchen schon lange eng verknüpft und somit gesetzt. Außerdem waren da noch die alten Akazienfässer im Keller und die Idee, Wein zu keltern, wie es sein Opa vor langer Zeit gemacht hat. Das zusammen führte zum Begriff Handwerk. Er umfasst vor allem ein Sich-Zurücknehmen und nie perfekt sein zu müssen. Handwerk ist für Sommer ein Spiegel des Jahrgangs und der Herkunft, ein Freiraum ohne Erwartungsdruck und deshalb die Reduktion aufs Wesentliche. Ausloten was möglich ist. Zeitlos und zeitgemäß. 2015 machte er den ersten Riesling Handwerk und hat damit so richtig Feuer gefangen. Heute ist der Wein wichtiger Teil seines Rufs als Top-Winzer am Leithaberg.
Ich habe die Spätfüllung Jahrgang 2021 gekostet. Klarerweise ist das kein zisch-frisch-fruchtig-Riesling, dafür enorm vielschichtig. Er duftet nach vollreifer Zitrone, weißer Grapefruit, Zitronengras, Weingartenpfirsich und Klaräpfeln, die frisch vom Baum kommen. Darüber liegt eine kühle, feine Rauchigkeit. Der Wein trifft supersaftig auf den Gaumen. Im Duft schon maximal einladend, wird der Riesling im Mund sogar noch eine Spur anregender. Einen wichtigen Anteil daran hat der feine, balancierte Gerbstoffrahmen. Ein Must für den optimalen Ausdruck der vielen Facetten im Wein ist das Burgunderglas. Es hebt Sommers Spätfüllung noch mal in eine eigene Kategorie. Er behält mit Luft und etwas mehr Temperatur trotzdem seine Spannung und zeigt seine burgenländischen Wurzeln in authentischer Art. Und: Jetzt beginnt genau der richtige Moment, um ihn zu trinken.
Die Trauben stammen aus zwei Lagen, die südöstlich ausgerichtet sind. Getrennt werden sie durch den Kirschblütenradweg. „Wenn es ihn nicht gebe, wäre es wahrscheinlich eine Riede“, sagt Leo Sommer. Der obere Teil befindet sich an der Grenze zum Wald. Das garantiert kühlen Wind und Beschattung am Nachmittag. Von hier stammt die Zitrusfrische im Wein. Vom Hangfuß des Leithabergs kommt Teil zwei. Dort ist es natürlich eine Spur wärmer. Was für beide Weingärten gilt: im Boden findet sich Schiefer worin in der Mehrheit Elsässer Riesling Klone wurzeln. Die Trauben sind kleinbeerig, was wenig Ertrag bedeutet und eine zarte Phenolik im Wein forciert. Sommer erhält durch all diese Faktoren einen Wein, der nicht nur Dichte, sondern auch viel Frische hat. Das führt zu einem Wechselspiel aus Struktur und Präzision, weit entfernt von Schmalz und Üppigkeit.
Geerntet wurden die Trauben 2021 mit hoher Reife, aber ohne Botrytis. Die Hälfte kam sofort in die Presse, den zweiten Teil hat Sommer vorher samt der Stielgerüste angequetscht und für einen halben Tag stehenlassen. Ohne Absetzen ging es in die Vergärung. „Wir nehmen so alles mit, was den Charakter der Herkunft transportiert“, sagt er. Der Wein hat den BSA gemacht, was ihn in der Folge mehr in sich ruhen lässt und auch Stabilität gibt. Anschließend gab es einen Ausbau für ein Jahr auf der Vollhefe ohne Schwefel im großen Akazienfass, in Eiche und im Betonei. Danach wurde cuvetiert und ein weiteres Jahr gereift. In der Folge kam ein erster Teil in die Flasche. Im Mai 2025 war es Zeit, die Spätfüllung anzugehen. Ich kenne mittlerweile beide Weine. Jeder für sich ist großartig. Die Spätfüllung hat aber durch ihr Plus zudem an Zeit eine eigene und gelassene, komplexe Dimension.
@Kalk&Kegel