2022 Wildrose Rot – Stefan Rosner
Stefan Rosner bietet mit seinem Wildrose Rot dem kühlen Rotweinstil eine perfekte Bühne. Der Wein punktet mit enormem Trinkfluss, ist aber weit mehr als simpler Glou-Glou.
Fünf Weine gibt es in Stefan Rosners kleinen, feinen Serie Wildrose. Sie ist seine Spielwiese. Hier kann er sich ausprobieren und zeigen, wie er das Kamptal aus seinem ganz persönlichen Blickwinkel sieht. Einer der fünf Weine ist rot. Viele haben Rotwein aus der Region nicht wirklich am Radar. Wobei es natürlich einige bekannte und hoch gehandelte Pinot Noirs und St. Laurent gibt (Bründlmayer, Loimer und Co). „Rund um Langenlois stehen teilweise sehr alte Zweigelt Rebstöcke. Wir haben so eine Parzelle in der Ried Steinberg. Sie liegt im Norden des Ortes. Im Boden gibt es Glimmerschiefer, Gneis und Granit. Hier ernten wir perfekte Trauben für die Art Rotwein, wie ich ihn mag“, sagt der Winzer.
Steinberg nimmt mit etwa 110 Hektar eine große Fläche im Kamptal ein. Die Riede ist ein hügeliges Hochplateau auf 300 bis 400 Höhenmetern. Stefan Rosner und seine Familie bewirtschaften dort Sauvignon Blanc, Riesling und eben den besagten Zweigelt. Der Untergrund ist karg, bewässert wird nicht. Der Ertrag der alten Reben ist daher ziemlich überschaubar, die Qualität aber richtig gut. „Ich teile zusätzlich die Trauben, um die Erntemenge noch einmal zu reduzieren“, erzählt Rosner. Wenn die Beeren im Herbst prall und knackig sind, sollte es schnell gehen. Genau dann muss geerntet werden, um eine kühle Weinstilisitk mit viel Frische und Lebendigkeit zu erreichen.
Die Kellerarbeit startet mit der Vergärung der ganzen Trauben à la Maceration Carbonique. Im oberen Teil des Tanks arbeitet eine IZ. Weiter unten, wo durch den Druck der Traubenmenge Saft ausgetreten ist, beginnt es zu gären. Die Stielgerüste steuern dem Wein während der Zeit ein feinwürziges Tannin bei. Nach zehn Tagen wird ganz sanft gepresst. Der noch nicht zu hundert Prozent fertige Wein vollendet seine Gärung in gebrauchten Barriques. Danach wird einmal umgezogen. Anschließend tut sich für rund 18 Monate nicht mehr viel. Irgendwann, wenn es im Frühjahr wärmer wird, passiert der BSA. Vor der Füllung wird der Wein aus den einzelnen Fässern in einen Stahltank zusammengezogen und es gibt eine sanfte Schwefelung. Wildrose Rot kommt unfiltriert in die Flasche.
Der Wein leuchtet in einem saftigen, nicht zu dunklen Rubinrot im Glas. Er duftet kräutrig und würzig, nach Nelken und Rosmarin. Dazu kommen ganz leicht Menthol – Stichwort Frische – und saftige Kirschnoten. Die Frucht ist auch am Gaumen deutlich präsent. Wildrose Rot hat ein balanciertes Gerbstoffgerüst und einen unheimlich anregenden Trinkfluss, ist superelegant, macht sich aber glücklicherweise nicht mit Ecken und Kanten wichtig. Dafür ist der Tiefgang, den ihm die alten Rebstöcke mitgeben, deutlich spürbar. Die optimale Trinktemperatur liegt für mich bei maximal 14 Grad. Fazit: Der lässige Rote ist ein flexibler Speisenbegleiter, taugt ideal als Argument gegen das Zweigelt-Bashing und lässt sich ganz einfach so richtig fein trinken. Mehr braucht es oft nicht.
@Kalk&Kegel