2023 Sauvignon Blanc vom Opok – Sternat-Lenz

Sauvignon Blanc kann knallen, aber auch so richtig introvertiert sein. Herbert Sternats Weine passen in keine der Schubladen. Dafür sind sie wohltuend, richtungsweisend und haben Tiefgang.

2023 Sauvignon Blanc vom Opok ist sympathisch geerdet, voller Vitalität und Leben. Er knüpft lückenlos an den unglaublich lässigen Vorgängerjahrgang von Sternat-Lenz an. Der Wein ist Teil der Opok-Linie, zu der vier weitere Rebsorten gehören (Welschriesling, Weißburgunder, Chardonnay und Gelber Muskateller). Sie alle verkörpern den puristischen Ausdruck der südlichen Steiermark. Das hört sich relativ schlicht und vielleicht auch ein wenig abgedroschen an, ist aber in Wahrheit die größte Kunst. Was es bei Herbert Sternat nicht gibt, sind Weine, denen man sich auf komplizierten, verschlungenen Pfaden mühsam nähern muss. Sie sind präsent, tun gut, schmecken wahrhaftig und authentisch. Echte Handarbeit steht bei der Herstellung im Vordergrund, das Wort Kreislaufwirtschaft wird hier wirklich gelebt. Seit 2021 ist das Weingut Mitglied bei DEMETER Austria.

Ich war sehr gespannt auf den Sauvignon Blanc und habe den Wein fürs Tasting wie immer in drei verschiedene Gläser eingeschenkt. Beste Performance: im Burgunderglas und mit rund 14 Grad Trinktemperatur. Mein erster Gedanke beim Duft war ein wunderschöner, lebendiger Kräutergarten. Darin blüht gerade der Salbei in lila, flankiert von den vielen bunten Farben der Natur. Weiters gibt es knackige, traubige Noten genauso wie Cassis. Man möchte sich immer tiefer hineinfallenlassen in dieses herrliche Bukett. Authentisch, strahlend und vor allem unprätentiös. Am Gaumen ist ganz schnell die Seele des Weins spürbar. Sein feiner Grip erhöht zudem die Spannung. Er gibt tolle Struktur und ganz viel Lebensfreude. Als Plus obendrauf: eine ordentliche Portion Lagerpotential.

Die Trauben für den Wein stammen von Sternats Riede Hohenegg. „Eine Bombenlage“. Auf sandigem Kalkmergel, aka Opok, stehen die 1978 gepflanzten Rebstöcke. Die alten Sauvignon Klone bringen eine besonders würzige Aromatik. „Pro Stock bekommen wir nur etwa die Menge einer Flasche Wein“, sagt der Winzer. 2023 war ein Jahr, dass unglaublich herausgefordert hat. Es gab viel Regen, der teilweise so stark war, dass die Vegetation zum Stillstand kam. „Wir mussten genau schauen, wann der richtige Moment zum Lesen da war. Auf den letzten Abdruck haben wir dann geerntet. Die Beerenschalen waren schon ganz dünn“, erzählt Herbert Sternat. Aber die Mühe hat sich gelohnt. Die Weine faszinieren heute. Sie sind geprägt von lebendiger Frische und haben moderaten Alkohol.

Im Keller geht es Herbert Sternat reduziert an. Im Anschluss an sanftes Rebeln werden die ganzen Beeren nach einer kurzen Standzeit mit wenig Druck gepresst. Es folgt die Spontangärung und ein Ausbau für 18 Monate im großen Holz. Die Füllung ohne Filtration und mit einer ganz geringen Dosis Schwefel fand im Mai 2025 statt. Die inneren Werte des Weins sind 12/6,3/0,2 – also Alkohol, Säure und Restzucker. Ich frage Herbert Sternat noch, was für ihn am Sauvignon Blanc besonders ist. „Die Sorte passt gewaltig gut in die Steiermark. Faszinierend ist das große Aromenspektrum. Ich will den Geschmack der Traube ganz einfach und klar in die Flasche zu bringen“, sagt er. Das ist 100 Prozent gelungen. 2024 steht bereits in den Startlöchern und kündigt sich wieder als genialer Nachfolger an.

@Kalk&Kegel