2021 Muschelkalk weiß – Thomas Schwarz

Aus dem Keller von Thomas Schwarz in Purbach kommen Weine mit Backbone und klarer Haltung. Eines der Geheimnisse dahinter ist, dass er ihnen extraviel Reifezeit zugesteht.

2021 Muschelkalk weiß von Thomas Schwarz ist keine Spätfüllung, sondern der aktuelle Jahrgang und das hat seine Gründe. Wenn es um seine Weine geht, wird nicht gehudelt. Er gibt ihnen einfach ganz ausreichend Zeit, um sich in Ruhe zu entwickeln. Die Bezeichnung Muschelkalk ist dabei Programm. „Wenn wir einen Weingarten neu anlegen, und den Boden dafür vorbereiten, kommt beim Rigolen der reine Muschelkalk an die Oberfläche“, erzählt er. Und der ist stilprägend. 1990 gab es am Weingut den ersten Weißwein mit der Bezeichnung. Damals war das ein reinsortiger Chardonnay. Mit seiner Evolution über die letzten 20 Jahren kam als erstes Weißburgunder dazu, später dann Grauburgunder. Der Wein hat sich von üppig und holzwürzig in einen feinen, hochkomplexen Burgunder gewandelt.

Der aktuelle Muschelkalk weiß duftet zart rauchig und saftig gelbfruchtig. Bergamotte spielt dabei genauso mit, wie Pfirsich und Salzzitrone. Mit Luft öffnet sich zusätzlich eine feine, kräuterwürzige Komponente – Zitronenthymian und Verbene. Über allem schwebt ein Hauch von weißem Pfeffer. Am Gaumen beeindruckt zuerst der ruhige Charakter. Die Säure ist balanciert, der Körper sehr strukturiert, elegant und voller Finesse. Dahinter gibt es zudem noch viel Tiefgang, einen festen Kern und Salzigkeit. Das ist purer Kalk. Der famose Weißwein spiegelt exakt das Terroir wider, in das die Reben ihre Wurzeln strecken. Mich erinnert er ein wenig an leicht knisternde, weiße Seide.

Mitte September 2021 wurden die Trauben der drei Burgundersorten per Hand gelesen und whole-bunch ganz sanft mit nur 1,5 Bar Druck gepresst. „Ich schaue genau, wann ich den Pressvorgang beende, denn ich will eine ganz kleine, gut dosierte Spur Oxidation im Most. Über Nacht lasse ich ihn noch absetzen, bevor es zur Vergärung in den Stahltank weiter geht“, so Thomas Schwarz. Seit 2004 wird ausschließlich spontan vergoren. Während des anschließenden Ausbaus, passiert eigentlich nichts mehr. Der 2021er blieb 44 Monate auf der Vollhefe und wurde erst kurz vor der Füllung abgezogen. Das alles geht Hand in Hand mit dem Biogedanken. Das Weingut ist seit 2008 zertifiziert.

Hinter dem Muschelkalk weiß stehen zwei sehr bekannte Lagen der Region. Im Eisner wächst der Chardonnay. „Das ist eine echte Trockenlage mit sandigem Muschelkalk. Dort passt nicht jede Sorte hin. Der Chardonnay kommt aber ganz gut zurecht“, so Schwarz. Grauburgunder und Weißburgunder sind in einer noch relativ jungen Anlage in der Ried Glawarinza gepflanzt. Beide Terroirs liegen nordöstlich von Purbach und verkörpern präzise die Identität von Thomas Schwarz Heimatort. Er selbst beschreibt die Burgundercuvée so: „Es ist einfach ein leiwander, ausgewogener Wein, süffig aber nicht banal. Er repräsentiert den Ausdruck seiner Herkunft. So schmeckt der Leithaberg.“

@Kalk&Kegel