2015 Grüner Veltliner Ried Gaisberg 1ÖTW Kamptal DAC Reserve – Topf
Die Topfs besitzen einen Schatz. Der ist über 400 Jahre alt und liegt 12 Meter unter der Ried Gaisberg. In diesem tief in die Erde gegrabenen Keller reifen ihre Weine.
Im Topf Keller gibt es eine Vinothek, bestückt mit den besten Weinen der Familie. Die letzten 15 Jahre sind lückenlos vorhanden, aber es liegt noch einiges mehr, auch weiter zurück. „Wenn wir unsere ersten Lagen (1ÖTW) im September auf den Markt bringen, sind das erst einmal nur rund 30 Prozent pro Wein. Der Rest darf noch reifen“, erzählt mir Maximilian Topf. On demand wird später Charge für Charge etikettiert und verkauft. Ein großes Plus für alle, die hier ordern. Denn einen besser gelagerten Wein findet man kaum. Der Verkaufspreis folgt einem klaren, kundenfreundlichen Konzept. In den ersten vier Jahren ab der Ernte gibt es keinen Aufschlag. Danach kommt ein Euro pro Jahr dazu. Wirklich fair und somit ideal für die Gastro, um die Weinkarte mit Jahrgangstiefe aufzuwerten.
Vom Terroir, dass direkt über dem Keller liegt, habe ich den Grünen Veltliner aus 2015 verkostet. Am Gaisberg wurzeln die Stöcke eingebettet zwischen bekannten Nachbarn wie Lamm, Grub, Renner und Offenberg. Der Gaisberg ist ein direkter Ausläufer des bewaldeten Manhartsberges, der ihn vor Wetterfronten abschirmt und beschützt. Die Lage ist auf drei Gemeinden aufgeteilt, Zöbing, Kammern und Strass. Die 80 Hektar sind ein heterogenes Terroir, dass sich im Wein mit vielen verschiedenen Gesichtern zeigen kann. Topfs Terrassenanlagen befinden sich dort, wo Glimmerschiefer auf Löss trifft. Die Weine sind daher immer eine Spur rassiger und frischer, wie die vom reinen Lössboden.
Gaisberg ist prädestiniert für längere Lagerung. Für mich hat der Wein aktuell einen großartigen Reifezustand. Seine 10 Jahre lässt er nur schwer erahnen. „2015 war kein gehypter Jahrgang wie beispielsweise 2009 oder 2021. Trotzdem aber überdurchschnittlich gut. Die Trauben hatten bei der Ernte eine perfekte physiologische Reife und geniale Säurestruktur“, erzählt Topf. Der Veltliner Ried Gaisberg ist kein lauter Poser, sondern präsentiert sich mir eher von seiner ruhigen Seite. Er duftet nach Grapefruit und Kernobst, hat steinige, tabakige Anklänge und eine deutliche Kräuterwürze. Die zieht sich bis in den Gaumen und bleibt lange haften. Die Säure ist saftig und bringt viel Trinkfluss.
Ein großes Glas tut dem Wein sehr gut. Seine Vitalität und sein energischer Charakter zeigen, dass er es sich auch noch ein paar weitere Jahre ohne Probleme im Keller gemütlich machen könnte. Was mir gefällt, ist seine markige Struktur, die in ein cremiges Finale übergeht. Das ist viel Wein, bei nur 12,5 Prozent Alkohol am Tacho. Der Gaisberg Veltliner wurde übrigens ganztraubengepresst und im Stahl bis kurz vor der Füllung auf der Feinhefe ausgebaut. Zur Info: Topf Weine sind seit 2008 geschraubt. Mit der viel besser gewordenen Qualität steht künftig aber eine Rückkehr zum Kork beim Lagenwein im Raum. Weil: „Das Hausziehen des Korks gehört irgendwie zum Ritual dazu“, so Topf.
@Kalk&Kegel