2023 Riesling Elsarner Ried Brandstatt Wachau DAC – Veyder-Malberg
Peter Veyder-Malberg hat unschätzbaren Anteil daran, dass der Spitzer Graben in Sachen Wein heute da steht, wo er ist. In seinem ersten Jahrgang 2008 war das noch ganz anders.
Manche Menschen in der Weinszene kenne ich schon richtig lange. Peter Veyder-Malberg gehört dazu. Ich weiß von seinen Stationen in Kalifornien, bei Franz Keller am Kaiserstuhl und der großartigen Arbeit, die er im Weingut Graf Hardegg im Weinviertel geleistet hat. Das nächste Ziel war ein eigenes Weingut. Vor knapp 20 Jahren hat es ihn deshalb in die Wachau verschlagen und dort in die kühlste Ecke – den Spitzer Graben. Für alles, was er sich aufgebaut hat und die Weine, die über die Zeit entstanden sind, hat er meine allergrößte Hochachtung. Heute trinkt die ganze Welt seine Rieslinge und Veltliner. In New York genauso wie in Skandinavien, Asien oder am Arlberg. Das hört sich nach einer traumhaften Geschichte an. Der Weg dorthin war aber nicht immer einfach.
Vor rund 20 Jahren hieß es in der Wachau noch: Wer will Wein aus dem Graben? Veyder-Malberg wurde belächelt, manchmal behindert. Unbeirrt, mit viel Energie und Vorausschau hat er weiter gemacht und den heutigen Vorzeige-Betrieb aufgebaut. Lage für Lage bewusst ausgewählt, manche von Grund auf rekultiviert. So wie die Ried Brandstatt. Sie liegt ganz am Ende des Spitzer Grabens, wo die Möglichkeit Weintrauben erfolgreich anzubauen an ihre natürlichen Grenzen stößt. „Ich war auf der Suche nach Terrassen mit alten Rebstöcken. Sie zu erhalten dient auch dem Landschaftsbild. Die Qualität der Trauben ist eine eigene Liga“, sagt der Winzer. Über ein Jahr hat er die einst verwahrloste Anlage entbuscht und neu aufgebaut. Heute ist der Riesling Ried Brandstatt einer seiner Grand Crus.
Ich habe den Jahrgang 2023 gekostet. Der strahlende Wein duftet nach Steinobstfrüchten wie weißer Pfirsich, hat Zitrusnoten, ein wenig Minze, Melisse und zudem zarte Rauchigkeit. Am Gaumen fällt zuerst die unglaubliche Balance des Rieslings auf. Er ist geradlinig, fokussiert und spiegelt mit der Aromatik einer Salzzitrone kühle Mineralik wider. Der hochenergetische Wein besitzt Frische und große Eleganz. Das ist Highclass und unschlagbare Grandezza. In Vergleich zum zweiten Top-Riesling des Weinguts, dem stoffigeren Ried Buschenberg aus Weissenkirchen, ist Brandstatt immer der vertikalere, kristalline Typ und mehr vom Terroir als von der Rebsorte geprägt. Präzise, durchaus fordernd, aber nie zu karg. Weil guter Trinkfluss auch beim hochwertigsten Riesling ein Muss ist.
Zurück zum Riedenvergleich. Die Trauben in der Brandstatt sind durchschnittlich zwei Wochen später reif als im Buschenberg. Durch ihr Terroir bringen sie natürlich ganz andere Voraussetzungen mit in den Keller. Die Brandstatt liegt auf rund 480 Meter Seehöhe, im Boden gibt es puren Glimmerschiefer. Nach der Handlese werden die ganzen Früchte im Keller nur leicht angequetscht und kommen sofort in die Presse. „Ich habe die Möglichkeit, das Programm so einzustellen, als würde eine Baumpresse arbeiten. Der Vorgang geht ganz sanft vor sich. Ich knüpfe hier an die alte Tradition an“, erzählt Peter Veyder-Malberg. Eine Hälfte des Mostes vergärt im Stahltank; Teil zwei im gebrauchten großen Holzfass. Beides spontan versteht sich. Der Wein bleibt in der Folge so lange wie möglich auf der Vollhefe, wird einmal umgezogen und kommt im späten Sommer nach der Ernte auf die Flasche.
@Kalk&Kegel