2016 Grüner Veltliner Ried Breiter Rain 1ÖTW Kremstal DAC Reserve – Vitikultur Moser
Die Weine von Vitikultur Moser sind Langstreckenläufer, die in ihrer Jugend oftmals unter dem Radar fliegen. Ältere Jahrgänge wurden noch mit dem Weingutslabel Sepp Moser etikettiert.
„Ich liebe schwierige Jahrgänge“, sagt Niki Moser. „Zwar nicht während der Vegetation, wo es meistens ziemlich mühsam ist. Am Ende haben die Weine aber immer etwas ganz Besonderes. Wie Menschen, die durch eine nicht gerade einfache Zeit gegangen sind.“ Und ja, sein 2016 Grüner Veltliner Ried Breiter Rain hat eine starke Ausstrahlung. Sein fast zehnter Geburtstag ist im Duft natürlich spürbar. Alles andere wäre auch seltsam. So weit, so authentisch. Es gibt kandierte Zitrusfrucht, Engelwurz, getrocknete Wiesenkräuter, etwas Tabak und leicht weißer Pfeffer. Im großen Glas macht der Wein klasse auf, wird immer einladender. Nicht nur jungen Weißweinen tut Luft gut. Am Gaumen wirkt er zu keinem Moment müde, hat tolle Spannung und ist unglaublich vital. Unterstützt wird das von einer zarten Dosis Phenolik. Die feine Säure führt in ein seidiges Finale.
Die Ried Breiter Rain im Kremstal blickt auf eine kirchliche Historie zurück. 90 Prozent sind hier in Terrassen angelegt. Ein Veltliner-Weingarten wie aus dem Bilderbuch. Niki Moser ist 1996 in den Betrieb der Eltern eingestiegen und hat ihn ab 2000 Stück für Stück auf biodynamische Bewirtschaftung umgestellt. Beim Breiten Rain war das 2005 abgeschlossen. „Unser Weingarten dort liegt südlich ausgerichtet am Mittelhang, fast wie eine Enklave im Rohrendorfer Gebling“, sagt er. Der Boden wird von Löss dominiert. Darunter befindet sich Konglomerat, was zusammen eine sehr gute Drainage ergibt. Ein perfektes Terroir für den Veltliner also. „Der Breite Rain ist in unserem Portfolio immer der burgundige, cremige Typ. Der Grund dafür ist sicher zum Großteil der Löss im Boden“, so Moser. Das Wort Rain im Rieden Namen deutet übrigens auf eine Grundstücksgrenze hin.
2016 begann das Jahr mit einem späten Austrieb. Während der Vegetationszeit regierte der Regen, was einen hohen Pilzdruck zur Folge hatte. Im Weingarten musste streng selektioniert werden. „Wir schauen uns bei der Lese genau an, was die Trauben vom Weingarten mitbringen und reagieren dann darauf“, sagt der Winzer. Was 2016 beim Breiten Rain ein relativ klassischer Zugang bedeutete: Rebeln, einmaischen und über Nacht in der Presse stehen lassen. Diese sanfte Auslaugung des Gerbstoffs ergab ein Plus an Struktur. Der Most vergor spontan, reifte im großen Holzfass. Mit einer Minidosis Schwefel und ohne Filtration kam der Veltliner im Sommer 2017 in die Flasche.
Dass er heute erst so richtig aufmacht, ist typisch für die Weine von Vitikultur Moser. Der Betrieb machte im Sommer 2023 übrigens einen Relaunch. Vorher wurde als Weingut Sepp Moser etikettiert. In der Jugend sind vor allem die Riedenweine von Riesling und Grünem Veltliner extrem schüchtern. Wagen sich kaum aus der Deckung. Da braucht es in jedem Fall eine Karaffe und ganz viel Zeit. Der Umstand macht eine Einschätzung und das Verkosten der Jungweine nicht gerade einfach. Mit den Jahren gehen sie aber super aus sich heraus, zeigen Struktur, Herkunft und ihre wohltuende Art aufgrund der DEMETER Produktion. Die Entwicklung kennen Niki Moser und seine Tochter Kathi nur zu gut. Bewusst halten sie deshalb Weine zurück, um sie dann zum optimalen Moment zu releasen.
@Kalk&Kegel