2020 Riesling Sekt Austria Große Reserve 47 Ried Ralessen – Zuschmann-Schöfmann Wenn eine Sektflasche das Etikett von Else Zuschmann und Peter Schöfmann trägt, ist klar, dass der Inhalt zu den Vorzeige-Schäumern Österreichs gehört.

Rieslingsekt kann ein Wagnis sein. Für mich gibt es auch hierzulande nur eine knappe Handvoll richtig gute. Das Problem: die Rebsorte prickelnd ausgebaut, neigt dazu plakativ und kitschig zu schmecken, und schleppt dazu oft noch einen ordentlich Rucksack Schwefel mit herum. Eine Kombination, alles andere als attraktiv und wohltuend. Zu den Wenigen, die Rieslingsekt aber so richtig gut können, gehört für mich das Weingut von Else Zuschmann und Peter Schöfmann. Das Couple besitzt unweit von Martinstal einen perfekt dafür geeigneten Weingarten – die Ried Ralessen. Sie ist die Herzenslage der Familie und wird samt dem idyllischen Weingartenhäuschen gehegt und gepflegt. Rund herum haben sie rund drei Hektar Besitz. Das Meiste davon ist Grüner Veltliner.

In einem Teil steht aber auch der Riesling. „Ich mag die Rebsorte. Sie ist hart im Nehmen, aber auch großzügig im Geben“, sagt Else Zuschmann. Aufgrund des Lössbodens eignen sich die Trauben dort, besonders gut für die Herstellung von Sektgrundwein. Sie bringen eine saftige, nicht zu harte und nicht zu karge Struktur mit. Gleichzeitig hat einen idealen pH-Wert, der unter drei liegt. Frische und Lebendigkeit sind damit genauso garantiert, wie perfekte Stabilität als Ausgangsbasis für den Keller. Geerntet wird per Hand. Nicht zu früh, sonst ist die Aromatik grün. Aber auch nicht zu spät, weil der Faktor Säure klarerweise beim Sekt essenziell ist.

Den Start der Vinifikation macht die Ganztraubenpressung. Für den Grundwein wird nur der 1. Teil, die sogenannte Cuvée, verwendet. Vergoren samt BSA und ausgebaut wird im Stahl. Nach der Füllung und Zugabe von Tirage bleibt der werdende Sekt 47 Monaten (der Hinweis steht am Etikett) sur lattes. Danach wird sanft degorgiert. „Wir machen davor eine Verkostung, um den passenden Restzuckergehalt zu finden. Von Brut Nature tasten wir uns in kleinen Schritten voran und sehen so, bei welcher Dosage die richtige Balance erreicht ist“, erklärt mir die Winzerin. Beim 2020er sind das fünf Gramm, also Extra-Brut. Ich persönlich finde immer spannend, Schaumwein so puristisch wie möglich zu lassen. In diesem Fall steht ihm die feine Dosage in Punkto Frucht aber ausgezeichnet.

Der Sekt duftet glasklar nach Riesling. Es gibt Zitrusnoten, roter Apfel, weiße Johannisbeeren und eine feine kräutrige Nuance. Die Autolyse legt sich ganz zart darüber. Er ist präzise, hochelegant und fein in seiner Perlage. Die Säure wirkt perfekt integriert und matcht mit der Frucht am Gaumen. Das ergibt einen attraktiven Sekt, der überraschenderweise im großen Burgunderglas noch mehr Fahrt aufnimmt und an Ausdruck gewinnt. Und: Er eignet sich genial fürs Wine&Food-Pairing. Fisch ist klarerweise eine geniale Kombi, aber auch helles Fleisch, wenn die Sauce nicht zu würzig ist. „Mir gefällt der Ralessen zum Beef Tartar“, sagt Else Zuschmann. Und ich kann ihn mir gut zu fettem Käse mit frischem Charakter wie Brillat Savarin, zu fruchtigem Apfelkuchen oder Topfensoufflé vorstellen.

@Kalk&Kegel